„Widerstand mit der Macht der Worte“

Themen: Klaus Maria Brandauer über Dietrich Bonhoeffer; Die Telefonseelsorge; „Was mich in der Krise trägt“ von Maria Katharina Moser; Bibelessay von Wolfgang Treitler

„Widerstand mit der Macht der Worte“ - Klaus Maria Brandauer zum 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – ein Lied, das innerhalb und auch außerhalb von Kirchen unterschiedlicher Konfessionen zu hören ist. Ein Text, der Vertrauen und Geborgenheit ausdrückt. Geschrieben wurde er allerdings unter widrigsten und unmenschlichsten Umständen: in der Gestapo-Haft während der Zeit des Nationalsozialismus.

Lebenskunst
Ostermontag, 13.4.2020, 7.05 Uhr, Ö1

Der Autor: Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Theologe und Pfarrer. Wenige Monate nach dem Verfassen des Textes wurde Bonhoeffer im KZ Flossenbürg erhängt.

Klaus Maria Brandauer

ORF/Maria Harmer

Klaus Maria Brandauer beschäftigt sich seit Jahren mit Dietrich Bonhoeffer

Das war vor 75 Jahren, am 9. April 1945, kurz vor Kriegsende. Der damals 39-jährige Pazifist und Widerstandskämpfer gilt bis heute auch als einer der großen Humanisten und protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Und bis heute berühren auch seine Schriften und Texte. Einer der Bewunderer und Verehrer ist Klaus Maria Brandauer. Der österreichische Schauspieler und Oscarpreisträger hat bereits vor Jahren begonnen, sich intensiv mit Dietrich Bonhoeffer auseinanderzusetzen.

Maria Harmer hat ihn in seiner Wiener Wohnung besucht und mit ihm über Bonhoeffer gesprochen.

Ganz Ohr - Die Telefonseelsorge: rund um die Uhr erreichbar

Nach mehreren Wochen liegen die Nerven blank: kein Kindergarten, keine Schule, kein Büro. In vielen Familien sind jetzt alle rund um die Uhr zu Hause. Auf meist engem Raum. Keine geöffneten Parks, kein Garten. Keine Treffen mit Freundinnen und Freunden nach Feierabend. Dazu besorgniserregende Nachrichten über elektronische Medien und die Sorge um ältere Familienangehörige, um den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses und in Zusammenhang mit den technischen Herausforderungen des „home-office“ sowie des „e-learnings“.

Rund um die Uhr:
Telefonseelsorge 142

Die Telefonseelsorge hat insbesondere seit dem Beginn der Coronavirus-Krise Hochkonjunktur. Rund um die Uhr ist diese Einrichtung der katholischen und evangelischen Kirche für alle Menschen, unabhängig von Religion und Glaube, erreichbar: kompetent, kostenlos und vertraulich.

Maria Harmer hat mit Antonia Keßelring, der Leiterin der Telefonseelsorge Wien sowie der Abteilung Krisenseelsorge, gesprochen.

„Was mich in der Krise trägt“ - von Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich

Jede und jeder ist derzeit in ihrem oder seinem Film, konstatiert die Theologin, evangelische Pfarrerin und Direktorin der Hilfsorganisation Diakonie. Die einen sind zu strikter Isolation gezwungen, weil sie zu einer so genannten Risikogruppe gehören, die anderen müssen hinaus, weil sie „systemrelevant“ sind. Die einen sind zum Nichtstun und zur Entschleunigung verurteilt, weil sie ihre Arbeit verloren haben oder in Kurzarbeit geschickt wurden – während andere umso mehr arbeiten müssen.

Was mich in der Krise trägt

Was in Organisationen, Familien und anderen Beziehungen helfen kann, ist eine „Was mich bewegt“-Runde. Da hat alles Platz, Sorgen jeglicher Art. Und daraus kann, durchaus unerwartet, so manche Perspektive der Hoffnung erwachsen, eine österliche Perspektive, wie Maria Katharina Moser meint: „Ostern heißt nicht, alles ist gut. Ostern heißt: hinschauen auf Leiden, Sterben, Tod. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort.“

Wenn zwei oder drei miteinander (spazieren) gehen – Bibelessay zu Lukas 24,13-35

Der Osterspaziergang, nicht nur der nach Goethe, hat eine seiner Wurzeln in dem nach Lukas benannten Evangelium: Zu den Erfahrungen, die keineswegs seicht sind, sondern in eine geheimnishafte Tiefe weisen, in die wunderbare Anwesenheit von Menschen, gehört jene, wenn zwei oder drei beginnen, zu gehen. Wenn man so geht, gehen einem fast immer die Augen auf und über, formuliert der römisch-katholische Theologe und Judaist Wolfgang Treitler. Eine Erfahrung, die, folgt man dem Lukasevangelium, zwei der Jünger Jesu nach dessen Kreuzigung gemacht haben, auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Wenn zu Ostern 2020 gemeinsame Unternehmungen im Familien- und Freundeskreis und gegenseitige Besuche nicht erlaubt sind, so ist doch der Spaziergang im erwachenden Grünen mit ausreichend Sicherheitsabstand möglich und eine der besten Übungen, um Befreiung aus der Enge zu erleben.

Bibelessay zu Lukas 24,13-35

Moderation: Martin Gross
Redaktion: Doris Appel

Lebenskunst 13.4.2020 zum Nachhören (bis 12.4.2021):