Islam

Grundlage des Islam, der jüngsten der drei monotheistischen Religionen, ist der Koran. Religionsstifter ist Mohammed, für Muslime der höchste Prophet. Heute bekennen sich weltweit etwa 1,5 Milliarden Menschen zum Islam.

Der Begriff Islam bedeutet wörtlich übersetzt „Hinwendung“ und „Unterwerfung“. Gemeint ist die Hingabe zu Gott („Allah“), dessen Einheit und Einzigartigkeit der zentrale Glaubensinhalt im Islam ist. Das Partizip Muslim, „der sich Ergebende“, bezeichnet die Anhänger des Islam.

Allahs Offenbarung im Koran

Muslime sehen im Islam nach Judentum und Christentum die dritte und letztgültige Offenbarung, die allerdings in vielerlei Hinsicht an die beiden anderen großen monotheistischen Religionen anknüpft. Viele biblische Geschichten und Propheten sind auch im Islam anerkannt. Der wichtigste Prophet im Islam ist Mohammed (570 bis 632 n. C.). Er gilt als „Siegel der Propheten“, der die abschließende und vollendete Offenbarung von Gott erhalten hat.

Diese Offenbarung ist im Koran niedergeschrieben, dem heilige Buch der Muslime. Ein weiteres Regelwerk neben dem Koran sind Berichte („Hadithe“) über das Verhalten des Propheten. Das Leben der Muslime ist durch das religiöse Recht („Scharia“) geregelt, das auf Koran und Hadithen basiert. Dabei ist die Gemeinschaft der Muslime („Umma“) allerdings sehr heterogen und kennt viele verschiedene Strömungen.

Nach islamischem Glauben sind alle Menschen vor Gott gleich, hierarchische Strukturen wie die Kirche oder geistliche Vermittler zwischen den Gläubigen und Gott gibt es im Islam nicht. Auch islamische Religionsgelehrte werden nicht als näher zu Gott oder gar unfehlbar betrachtet.

Wer ist Muslim?

Der Islam kennt keine Aufnahmerituale in die Glaubensgemeinschaft. Nach islamischen Glauben wird jeder Mensch grundsätzlich als Muslim geboren, der Islam gilt also als „natürliche Religion“. Die Zugehörigkeit zum Islam wird im Laufe des Lebens durch das Befolgen der religiösen Regeln und das Sprechen des Glaubensbekenntnisses („Schahada“) bekräftigt.

In der Praxis hat sich allerdings das Prinzip der Abstammung durchgesetzt. Damit gilt jeder, der einen muslimischen Vater hat, als Muslim. Auch eine Konversion zum Islam ist möglich und setzt nur das freiwillige und überzeugte Rezitieren der Schahada vor zwei muslimischen Zeugen voraus. Die Abkehr vom Islam, die Apostie (Ridda), ist aus islamrechtlicher Sicht verboten.

Andere monotheistische Religionen, also Judentum, Christentum und Zoroastrismus, werden im Islam jedoch anerkannt und genießen seit den Anfängen des Islam einen besonderen Status unter islamischem Recht, der den Angehörigen die freie Ausübung ihrer Religion zusichert.

Schnelle Ausbreitung des Islam

Der Islam ist eine Religion und Kultur der Städte und entwickelte sich vornehmlich im urbanen Milieu. Schon zu Mohammeds Lebzeiten verbreitete sich der Islam über die arabische Halbinsel. Auch nach seinem Tod im Jahr 632 n. Chr. breitete sich der Islam relativ schnell aus: von der arabischen Halbinsel aus über den Nahen Osten und Zentralasien bis nach Südostasien, wo mit Indonesien das Land mit der heute zahlenmäßig größten muslimischen Bevölkerung liegt. Im Westen konnte sich der Islam über den Maghreb bis hinein in den subsaharischen Raum ausbreiten.

Teilweise umstrittene Richtungen

Damit umfasst die Gemeinschaft der Muslime (Umma) ganz unterschiedliche ethnische und sprachliche Gruppen. Die beiden größten religiösen Gemeinschaften im Islam sind Sunniten und Schiiten, die sich wiederum in verschiedene Gruppierungen aufspalten. Einige Glaubensgruppen haben im Laufe der Zeit so individuelle Traditionen entwickelt, dass ihre Anerkennung als muslimisch umstritten ist, dazu gehören beispielsweise die Drusen im Libanon und Israel, die Ahmadijja in Indien und Pakistan sowie die Aleviten in der Türkei.

Starke Unterschiede in der Glaubenspraxis

Die Glaubenspraxis der Muslime unterscheidet sich, je nachdem welcher Gruppe oder Rechtsschule sie angehören. Auch regionale Traditionen haben die Glaubenspraxis von Muslimen auf unterschiedliche Weise geprägt. Dennoch gibt es religiöse Grundpflichten, die unabhängig vom jeweiligen Bekenntnis für alle Muslime bindend sind. Dazu gehören neben den „fünf Säulen des Islam“ beispielsweise das Verbot, Schweinefleisch zu essen und Alkohol zu trinken.

Die fünf Säulen des Islam

Feste im islamischen Kalender

Im islamischen Jahreskreis gibt es einige religiöse Feste. Besonders wichtig sind das Id al-Adha (Opferfest) in der Zeit des Hadsch und das Id al-Fitr (Fest des Fastenbrechens) am Ende des Ramadan. Bei den Schiiten hat außerdem Aschura als Trauerfest für den dritten Imam Al-Hussein eine besondere Bedeutung. Diese Feste wandern durch das Jahr, da der Islamische Kalender auf Mondmonaten basiert und keine Schaltjahre kennt. Stark religiös geprägt sind auch Feste und Riten zu privaten Anlässen wie Verlobungen, Hochzeiten, Geburten und Todesfällen.

Heutige Verbreitung des Islam

Der Islam ist Hand in Hand mit einem staatlichen System entstanden, so dass religiöse und weltliche Führung zunächst eins waren. Einen solchen islamischen Staat gibt es bereits seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr, allerdings gibt es auch heute noch Länder, in denen das religiöse Recht Grundlage der staatlichen Gesetzgebung und die Ausübung religiöser Pflichten gesetzlich verankert ist.

Heute gehören weltweit etwa eineinhalb Milliarden Menschen dem Islam an. Damit ist der Islam die zweitgrößte Religion der Welt, nach dem Christentum. In rund 50 Ländern der Erde ist der Islam die Mehrheitsreligion. Die Länder mit der höchsten muslimischen Bevölkerungszahl sind gegenwärtig Indonesien, Pakistan, Indien, Bangladesh, Ägypten sowie die Türkei, der Iran, Algerien und Marokko.

Auch in Europa gibt es Staaten mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung, dazu gehören die Türkei, Albanien, Kosovo und Teile Bosnien-Herzegowinas. In Nord- und Mitteleuropa sind die muslimischen Gemeinden vor allem durch Zuwanderung politischer Flüchtlinge sowie durch Arbeitsmigration gewachsen. In Österreich leben heute etwa eine halbe Million Muslime, die vor allem aus der Türkei und Bosnien-Herzegowina stammen.

In Österreich seit 1912 offiziell anerkannt

In Österreich ist der Islam seit 1912 offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft. Im Kernland der österreichisch-ungarischen Monarchie kaum vertreten, lebten rund 600.000 Muslime in Bosnien-Herzegowina. Das Islamgesetz sicherte ihnen 1912 religiöse Selbstbestimmung zu. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall des Habsburgerreichs lebten nur noch sehr wenige Muslime in Österreich. Erst in den 1970er-Jahren kamen Muslime zunächst als Migranten ins Land. Bei der letzten Erfassung der Religionszugehörigigkeit durch die Statistik Austria im Jahr 2001 bekannten sich knapp 340.000 Menschen in Österreich zum Islam - weitere Informationen im Artikel „Islam in Österreich“.

Buchhinweise:

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