Kaaba

Zentralheiligtum der Muslime in Mekka

Die „Kaaba“ (Würfel) ist das heiligste Bauwerk im Islam und gilt Muslimen als das älteste Gotteshaus der Welt. Es ist ein fast würfelförmiges Gebäude, um das herum die große Moschee in Mekka, der „Masdschid al-haram“, gebaut wurde. Die Kaaba ist von einem schwarzen Vorhang („Kiswa“) aus Seide und Baumwolle bedeckt, in den mit Goldfäden die Schahada und Koranverse eingestickt sind. Die „Kiswa“ wird jedes Jahr nach der Hadsch erneuert. Das Innere der Kaaba ist verschlossen. Nur zwei Mal im Jahr wird das Gebäude für das Reinigungsritual geöffnet.

Muslime in aller Welt richten sich fünf Mal am Tag für ihre Gebete („Salat“) nach der Kaaba aus. In jeder Moschee wird die Gebetsrichtung („Quibla“) angezeigt. Bei der „Hadsch“, der großen Pilgerfahrt, ist die siebenmalige Umrundung der Kaaba („Tawaf“) wichtiges Ritual.

Die Kaaba in Mekka während der Hadsch
Reuters/Caren Firouz
Bei der Wallfahrt umrunden die Pilger die Kaaba. Beim täglichen Gebet richten sich Muslime in aller Welt nach der Kaaba aus.

Schwarzer Stein als Teil des Paradieses

In der Ostecke der Kaaba ist der „Schwarze Stein“ (Arabisch: „al-Hadschar al-aswad“) eingelassen, der heute in Gold eingefasst ist. Erzengel Gabriel soll ihn der Legende nach aus dem Paradies gebracht haben. Auf der Pilgerreise versuchen die Pilger, diesen „Schwarzen Stein“ zu berühren oder sogar zu küssen, was aber wegen der Menschenmassen nicht für alle möglich ist. Damit wollen die Pilger dem Beispiel ihres Propheten Mohammed folgen, der den „Schwarzen Stein“ ebenfalls küsste, verehren jedoch nicht den Stein als solchen.

Männer besticken den Umhang der Kaaba (Ausschnitt)
Reuters/Ammar Awad
Jedes Jahr wird der schwarze, goldbestickte Umhang der Kaaba, die „Kiswa“, erneuert.

Bereits in vorislamischer Zeit war die Kaaba eine Kultstätte, in der vor allem der Gott Hubal, aber auch andere vorislamische Gottheiten wie al-Lat, Manat und Uzzat verehrt wurden. Schon damals stand die Kaaba - und damit Mekka - im Zentrum von Wallfahrten. Nach dem Einzug der Muslime im Jahr 630 befreite Mohammed die Kaaba von sämtlichen Götzenbildern, beließ sie aber ansonsten unverändert.

Eine Geschichte der Renovierungen

Die Kaaba war erst kurz davor, im Jahr 600, von Angehörigen des mekkanischen Stammes Quraisch wieder aufgebaut worden, nachdem sie durch Fluten und einen Brand stark beschädigt worden war. Nach dem Koran, dem heiligen Buch der Muslime, wurde die Kaaba von Ibrahim (Abraham) und seinem Sohn Ismail als heiliger Schrein zur Anbetung des einen Gottes errichtet. Der Legende nach soll jedoch bereits der erste Mensch, Adam, die Kaaba errichtet haben, bevor sie wieder verfallen und in Vergessenheit geraten war.

Im Lauf der Geschichte musste die Kaaba wiederholt renoviert und wieder aufgebaut werden. Besonders einschneidend war die Beschädigung der Kaaba im Jahr 930 durch die Karmaten, einer radikalen schiitischen Gruppierung ismailitischer Richtung, die dabei auch den „Schwarzen Stein“ entführten. 1629 wurde die Kaaba durch flutartige Regenfälle zerstört. Seit ihrem Wiederaufbau im selben Jahr mit mekkanischem Granit hat die Kaaba ihr Aussehen nicht mehr verändert.

Abrahams Platz und Zamzam-Brunnen

Auch die unmittelbare Umgebung der Kaaba ist für die Muslime von besonderer Bedeutung. Vor der Nordwestmauer steht „Abrahams Platz“ (Arabisch: „Maqam Ibrahim“). Dorthin versuchen Pilger nach der Umrundung der Kaaba zu gelangen, um ein persönliches Gebet zu sprechen. Der Schrein enthält den Stein, auf den sich Abraham beim Bau der Kaaba gestützt haben soll. In unmittelbarer Nähe zum „Maqam Ibrahim“ und dem „Schwarzen Stein“ befindet sich der Brunnen „Zamzam“, mit dessen Wasser Gott Hagar, Abrahams Frau, und ihren Sohn Ismail vor dem Verdursten geretet haben soll.

Übersichtsartikel zum Islam

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: