Buddhismus

Der Buddhismus ist eine der fünf großen Weltreligionen mit geschätzten 450 Millionen Anhängern weltweit. Besonders stark in Asien verbreitet, bekennen sich in Österreich mehr als 20.000 Menschen zum Buddhismus. Im Zentrum des Glaubens stehen die Lehren des Buddha, Siddharta Gautama.

Der historische Buddha hieß ursprünglich Siddhartha Gautama und lebte nach traditioneller Zeitrechnung von ca. 560 bis 480 v. Chr. als Fürstensohn in Indien (moderne Forschungen halten 360 v. Chr. als Todesjahr wahrscheinlich). Nach einem Leben im Überfluss beschloss er, Mönch zu werden und bei verschiedenen Meistern Meditation zu erlernen, die er immer wieder verließ, wenn er alles gelernt und erfahren hatte, was diese ihn lehrten.

Nach jahrelang erfolglos praktizierter Askese gab er diese schließlich auf und ließ sich unter einem Bodhibaum in Bodhgaya nieder. Dort schwor er sich, erst wieder aufzustehen, wenn er Befreiung erlangt hätte. Während er drei Nächte durchwachte verwirklichte er Nirvana (wörtl. „das Erlöschen“), das mit dem Ende des Leidens einhergeht. Bald darauf fand er seine ersten Schüler und lehrte sie „Die Vier Edlen Wahrheiten“ im Gazellenhein von Sarnath im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Während der restlichen vierzig Jahren seinen Lebens verbreitete Buddha (wörtl. „der Erwachte“) seine Lehre. Im Frühling feiern Buddhisten in aller Welt das Vesakh-Fest im Andenken an die Geburt, die Erleuchtung und das Verlöschen des Buddha.

Zentrale Lehren des Buddhismus

Im Zentrum der buddhistischen Lehre stehen die Vier Edlen Wahrheiten:

  1. Es gibt Leiden bzw. Frustration („Duhkha“).
  2. Es gibt Ursachen, die zum Leiden führen.
  3. Es gibt ein Ende des Leidens.
  4. Es gibt einen Weg, der zum Ende des Leidens führt.

Dieser Pfad hat acht Glieder. Das Ziel buddhistischer Praxis ist die Befreiung von Leiden und soll entlang des Achtfachen Pfades erreicht werden können - mehr dazu im Eintrag Die Vier Edlen Wahrheiten.

Die Lehre vom „Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit“ („Pratityasammutpada“) besagt, dass alle Phänomene aufgrund von Ursachen und Bedingungen entstehen und vergehen. So erklärt sich schließlich auch die Entstehung des Daseinskreislaufs („Samsara“) aus Geburt, Tod und Wiedergeburt.

Heilsames Karma führt zu besserer Wiedergeburt

Eng im Zusammenhang mit der Lehre von der wechselseitigen Abhängigkeit steht die Lehre von „Karma“, was wörtlich Tat oder Handlung bedeutet. Man unterscheidet zwischen Handlungen von Körper, Rede und Geist, wovon den Handlungen des Geistes die meiste Beachtung geschenkt wird. Über die Qualität einer Tat entscheidet der Wille bzw. die Absicht. Ist eine Handlung von Gier, Hass und Verblendung motiviert, so hat dies negative Folgen.

Handelt der Mensch hingegen aus Gleichmut, liebevoller Güte und Einsicht, so ist dies heilsames, positives Karma, das zu einem glücklicheren Leben und einer besseren Wiedergeburt führt. Letzten Endes besteht das Ziel darin, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen, was auch das Ende der Wiedergeburten mit sich bringt - und damit zu „Nirvana“ (wörtlich: Erlöschen) führt.

Meditation als Teil der Glaubenspraxis

Geistesschulung (Meditation und Achtsamkeit) sind neben Ethik („Sila“) und Weisheit („Prajn"a) eine der drei Stützen der buddhistischen Praxis. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Sammlung und Konzentration ("Shamatha“) und Achtsamkeit- und Einsichtsmeditation („Vipashyana“). Während der Einsichtsmeditation können „die drei Daseinsmerkmale“ offenbar werden: Alle bedingten Phänomene sind erstens vergänglich („Anitya“), zweitens für dauerhaftes Glück unzulänglich („Duhkha“) und drittens frei von einem unveränderlichen, ewigen Selbst („Anatman“).

Im Zentrum der buddhistischen Glaubenspraxis steht die dreifache Zuflucht: zu Buddha (dem Erwachten), zu „Dharma“ (die Lehre) und zu „Sangha“ (die Gemeinschaft der Praktizierenden). Die fünf ethischen Grundsätze („Pancasila“) sind ein moralischer Richtmaßstab für das von Buddha, „Dharma“ und „Sangh"a inspirierte Leben. Die buddhistische Meditation wurde traditionellerweise von Mönchen und Nonnen praktiziert, wobei auch Laienanhänger immer schon danach gestrebt haben, die Meditationspraxis in ihren Alltag einzubauen.

Für Buddhisten in Asien ist es üblich, buddhistische Klöster und Heiligtümer aufzusuchen, um den Mönchen Nahrung, Kleidung oder Geld zu spenden und Blumen sowie Räucherwerk zu opfern. Diese Handlungen werden als gutes Karma wertgeschätzt und somit als dem Weg zu Glück und einer besseren Wiedergeburt förderlich angesehen.

Unterschiedliche Richtungen historisch gewachsen

Die Geschichte des Buddhismus umfasst einen Zeitrahmen von etwa 2.500 Jahren. Bald nach dem Tod des Buddha bildete sich eine Vielzahl von buddhistischen Richtungen, die die Lehren unterschiedlich auslegten. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich auch die buddhistische Lehre weiter und passte sich lokalen Bräuchen an. Heute werden drei große Strömungen des Buddhismus unterschieden:

Heute weltweit etwa 450 Millionen Buddhisten

Mit der Zeit breitete sich der Buddhismus über den indischen Subkontinent sowie über weite Teile Ostasiens und Südostasien aus. Ab dem 19. Jahrhundert gelangte er auch nach Europa und auf den amerikanischen Kontinent.

Heute leben weltweit ungefähr 450 Millionen Buddhisten. Die Länder mit der stärksten Verbreitung des Buddhismus sind China, Bhutan, Japan, Kambodscha, Thailand, Laos, Vietnam, Sri Lanka, Tibet. In Indien, dem Ursprungsland des Buddhismus beträgt der Anteil der Buddhisten an der Bevölkerung heute weniger als ein Prozent. In Österreich leben schätzungsweise 20.000 bis 25.000 bekennende Buddhisten. Die „Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft“ (ÖBR) ist Anlaufstelle für alle buddhistischen Belange.

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