„Bis morgen, so Gott will“ und „Über 100 Jahre“

Ein heiterer Einblick in das Leben einer Gemeinschaft von Franziskanerinnen in Spanien: Filmemacherin Ainara Vera hat die Frauen in ihrem Alltag beobachtet – dabei kommen weder der Humor noch tiefsinnige Gedankenspiele zu kurz.

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 27. Februar 2018
um 22.35 Uhr, ORF 2

„Bis morgen, so Gott will“ ist aus dem Wunsch entstanden, das geheimnisvolle weibliche Universum in dem katholischen Konvent zu ergründen.

Jedes zweite Kind, das heute in Österreich geboren wird, kann ein Alter jenseits der 100 erreichen, sagen Wissenschafter.

Mehr als 100 Jahre alt sind auch die Protagonistinnen und Protagonisten der Dokumentation, die „kreuz und quer“ um 23.30 Uhr zeigt: Ihre Erinnerungen und Wünsche, ihre „Rezepte“ für ein hohes Alter, aber auch die Beschwerden, die sich einstellen, wenn der Körper mehr als ein Jahrhundert erlebt hat – all das steht im Fokus des Films „Über 100 Jahre“ von Regisseurin Kris Krenn.

Der Tenor ist dabei durchaus positiv: „Jetzt ist die beste Zeit – wenn man alles hat und alles kriegt“, erzählt etwa eine 102-Jährige. Und eine andere Protagonistin meint gar: „Ich fühle mich nicht alt.“

„Bis morgen, so Gott will“

17 Franziskanerinnen, durchwegs mehr als 80 Jahre alt – gemeinsam sind sie sogar mehr als 1.000 Jahre alt. Schon im Morgengrauen beginnt ihr religiöses Leben.

Weltliche Aufgaben wie Putzen oder Nähen nehmen aber genauso viel Platz ein. Die Gespräche der alten Franziskanerinnen drehen sich um biblische Fragen, aber auch um ganz alltägliche Dinge. Seien es die Einschätzungen, ob das Obst schmeckt, oder die Vorbereitungen für ein bevorstehendes Geburtstagsfest.

Eine der Schwestern wird bald 100. Das Altern und der Tod sind ebenso Thema wie banale Begebenheiten oder Erlebtes in der Jugend. Mit einfühlsamen Bildern fängt die Dokumentation die Stimmung im Konvent ein.

Schattige Hallen, in denen Türen auf- und zugehen, wenn die Schwestern sie durchqueren: Regisseurin Ainara Vera passt sich mit ihrer Kameraführung dem kontemplativen, beschaulichen Leben der Franziskanerinnen an – denn sie sind alt geworden.

In jüngeren Jahren waren diese Schwestern in der Welt unterwegs, um Menschen zu helfen. Im Alter ist ihr Wirkungskreis kleiner geworden. Jetzt, wo sie selbst am Ende ihres Lebens stehen, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Wenn sie nicht mehr sind? Werden andere ihren kontemplativen, gemeinnützigen Lebensstil fortführen?

Ein Film von Ainara Vera (deutsche Bearbeitung: Margarita Pribyl)

„Über 100 Jahre“

Emilie Lutz (104) ist nicht nur stolz darauf, kaum oder keine Medikamente zu benötigen. Bei Kopfschmerzen schwört sie etwa auf frischgepressten Saft. Die 104-Jährige ist auch nach wie vor sehr selbständig und betont, dass sie sich noch alles kochen könne – und zwar „das Beste vom Besten“.

Da schwärmt sie dann vor der Kamera von Lammkrone mit Bratkartoffeln und englischem Kraut. Überhaupt ist Essen und Trinken ein Thema – denn viele der Betagten können sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen es eben nicht genug davon gab. Und so erzählt etwa Hermine Hemer (106), wie sie früher auch das Kochwasser der Erdäpfel getrunken habe.

Denn: „Wir haben nichts zum Essen gehabt.“ Margit Haider (105) wiederum gibt gerne zu, dass sie einem Stamperl Schnaps nicht abgeneigt ist – zusätzlich zum täglichen Achtel Wein: „Eine Woche Rotwein, eine Woche hellen Wein.“

Und dennoch, all den positiven Einblicken in das Leben der Über-Hundertjährigen steht – wie sollte es anders sein – auch ein weniger angenehmes Thema gegenüber: die Gesundheit. Denn ein Körper, der seit mehr als 100 Jahren seinen Dienst tut, zeigt eben doch die eine oder andere Verfallserscheinung.

Alles tue einem weh, berichtet da Emma Wenda (101). Schon beim Aufstehen zwicke es einmal da, ein anderes Mal steche es dort. Das sei kein schönes Leben. Autofahren könne er zum Beispiel nicht mehr, erzählt wiederum Gustaf Mach (102). Das traue er sich nicht mehr.

Und eine Frau könne man als Mann auch nicht mehr glücklich machen, gibt der 102-Jährige freimütig zu. Dazu passt gut, was sich Hermine Hemer mit ihren 106 Jahren noch wünscht für die Zukunft: „Dass alle gesund bleiben“, sagt sie. Das sei das Wichtigste überhaupt.

Ein Film von Kris Krenn