Die Spiritualität des Essens

Themen: Die Religionen und das Essen; Die Große Kirche von Debrecen; Bibelessay von Martin Jäggle

„Brot des Lebens“ und „heiliges Essen“ – Ein Streifzug durch die Religionen am Fest Fronleichnam

Um die Heiligkeit von Speisen und die Spiritualität der Nahrungsaufnahme dreht sich ein breit angelegter Streifzug durch die Religionen am Fronleichnamstag. Das Wort Fronleichnam hat mitnichten etwas mit einem toten Körper zu tun, es leitet sich vielmehr vom mittelhochdeutschen vrône lîcham ab, was ‚des Herren Leib‘ bedeutet; von vrôn: ‚was den Herrn betrifft‘ und lîcham: ‚der Leib‘. Fronleichnam ist das Fest der Eucharistie, der Kommunion, grundgelegt in der Feier des jüdischen Pessach-Mahles, zu dem Jesus seine Jünger kurz vor seinem Tod versammelt hatte, und bei dem er ihnen gemäß biblischem Bericht auftrug, bei einem gemeinsamen Mahl seiner zu gedenken. Er werde bei solchen Feiern immer im Brot und Wein gegenwärtig sein.

Erfüllte Zeit
Donnerstag, 15.6.2017, 7.05 Uhr, Ö1

In den großen religiösen Traditionen der Welt ist Essen, auch im Alltag, ein besonderer Akt. Nicht nur, weil die Nahrungsmittel in armen Ländern seltener sind, sondern auch, weil Essen eine unmittelbare Kommunikation mit dem Göttlichen sein kann. Wie, das wird in den verschiedenen Religionen unterschiedlich interpretiert. Die einen sagen, dass Essen ein Geschenk der Götter sei; andere wieder meinen, dass man Gott essen kann. Vor allem aber gibt es nach Ansicht der religiösen Traditionen noch ein unwägbares Etwas, das zum Essen dazukommen muss, damit es wirksam ist. Prana sagen die einen, Qi die anderen; gemeint ist eine subtile, nicht messbare Energie, die das Entscheidende ist. Denn die geregelte Aufnahme von Nährstoffen ist nicht alles. – Gestaltung: Ursula Baatz

Orgelklänge im reformierten Herzen Ungarns – Die Große Kirche von Debrecen

Ein Doppeljubiläum feiert heuer das Zentrum der ungarischen evangelisch-reformierten Kirche, die Stadt Debrecen im Osten des Landes. Neben dem 500-Jahr-Reformationsjubiläum wird hier der Begründung der ungarischen reformierten Kirche vor genau 450 Jahren gedacht. Mit der Annahme des Heidelberger Katechismus und des vom Reformator Heinrich Bullinger verfassten sogenannten zweiten Helvetischen Bekenntnisses wurde bei der Synode von Debrecen im Jahr 1567 der Grundstein der reformierten Kirche des Landes gelegt. Groß gefeiert wird deshalb auch in der Großen Kirche von Debrecen, mit Gottesdiensten, aber auch Konzerten - unter anderem an einer hervorragenden Orgel mit Wienbezug. Judith Fürst hat den Kantor und Hauptorganisten der Großen Kirche getroffen. – Gestaltung: Judith Fürst

…von jedem Wort aus Gottes Mund – Bibelessay zu Deuteronomium 8, 2 - 3. 14b - 16a

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Worte der Bibel, die im deutschen Sprachschatz aufgegangen sind und deren biblische Herkunft mittlerweile weithin unbekannt ist. Die vollständige Version dieses Zitats ist Teil der ersten Lesung, die am Fest Fronleichnam in den römisch-katholischen Messen auf dem liturgischen Plan steht. Gedanken dazu vom katholischen Theologen und Religionspädagogen Martin Jäggle. Er ist auch Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Bibelessay zu Deuteronomium 8, 2 - 3. 14b - 16a

Moderation: Martin Gross

Erfüllte Zeit 15.6.2017 zum Nachhören: