„Reinigung von innen - Fasten in den Religionen“ und „Herr Schuh und die Freiheit“

Es scheint fast ein die gesamte Menschheit verbindender Grundvollzug des Lebens zu sein: das Fasten. Von kaum einer Kultur wird der periodische Verzicht infrage gestellt.

Zu wichtig scheinen karge Perioden für unseren Körper und unseren Geist zu sein. Und auch für die Seele. Denn Fasten ist seit jeher beides – medizinische Anwendung und religiöser Akt.

„kreuz und quer“ zeigt dazu am Dienstag, dem 12. März 2019, um 22.35 Uhr in ORF 2 Florian Kröppels Dokumentation „Reinigung von innen – Fasten in den Religionen“.

Um 23.30 Uhr beschäftigt sich der von Florian Gebauer gestaltete und von Franz Schuh erzählte Film „Herr Schuh und die Freiheit“ mit den vielen Facetten der Freiheit: Wer ist frei und warum? Was bedeutet Freiheit? Wie hat sich der Begriff der Freiheit in den Jahrhunderten verändert?

Zeiten des Fastens enden meist mit einem Festessen
ORF/Langbein & Partner

„Reinigung von innen – Fasten in den Religionen“

Julia Radlingmayer nimmt es dieses Jahr besonders ernst mit dem Verzicht. Sie begibt sich eine Woche lang ins Stift Geras, um mit Gleichgesinnten eine Woche lang komplett auf Essen zu verzichten. Dort betreibt Alexander Graffi schon seit mehreren Jahren ein Fastenhaus, wo unabhängig von der Jahreszeit der kontrollierte Verzicht auf jegliche feste Nahrung angeboten wird.

Mittlerweile ist nicht zuletzt durch die Arbeit der Grazer Wissenschafter Thomas Pieber und dem Team rund um Frank Madeo bewiesen, dass Fasten tatsächlich gesünder macht. Doch gerade in der Zeit vor Ostern herrscht in Geras Hochbetrieb. Denn Fasten ist ungeachtet des medizinischen Trends immer noch eine wichtige religiöse Praxis.

Die Religionswissenschafter Birgitt Heller und Franz Winter wissen, warum das so ist: Zum einen ist die Abstinenz ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf ein Fest, zum anderen hilft das Fasten, den Geist zu reinigen. Nicht umsonst ist das Fasten in so gut wie allen Religionen und Kulturen bekannt.

Der Islam kennt das Ramadan-Fasten. Die junge Wiener Studentin Nesrin El-Isa lädt „kreuz und quer“ während der letzten Tage des Fastenmonats ein, diese Zeit des Gebets und der inneren Einkehr kennenzulernen. Genauso wichtig wie die Abstinenz ist in diesen Tagen auch der soziale Zusammenhalt.

Bei den Aleviten gibt es zwei Fastenzeiten, und die richten sich nach unterschiedlichen Kalendern. Ihre Hauptfastenzeit ist der Monat Muharram, in dem sie zwölf Tage lang zu Ehren der zwölf Imame sogar auf klares Wasser verzichten. Auch indische Traditionen und das Judentum kennen Zeiten des Fastens. Oft gibt es unterschiedliche Motivationen, andere Bräuche und unterschiedliche Zugänge. Gemeinsam ist ihnen die Erfahrung: Wer fastet, reinigt sich von innen.

Ein Film von Florian Kröppel

Herr Schuh Freiheit
ORF/Langbein&Partner

„Herr Schuh und die Freiheit“

„Die Freiheit, die wir gerade nicht haben, scheint uns am meisten nahezugehen“, so Franz Schuh. Der Film zeigt, was Menschen aus eigener Erfahrung über Freiheit zu sagen wissen.

Der Journalist Lorenz Gallmetzer spricht im Film mit Franz Schuh über seine Alkoholsucht: „Nach 30 Jahren hat eine Talfahrt begonnen, wo dann die Freiheit verloren ging. Dort wurde dann der Alkohol zum Muss.“ „Dass Menschen Freiheit über alles mögen, ist eine Mär.

Viele haben auch einen Hang zur Unterwerfung“, meint Franz Schuh. Der Film verdeutlicht, wie sich „die eine Freiheit“ in unserer Gesellschaft in einzelne Freiheiten aufspaltet. Bedeutet die Freiheit der Kunst auch die Freiheit, eine Republik auszurufen?

Welche Freiheiten und Unfreiheiten gibt es zwischen den Geschlechtern? „Das Problem der Freiheit darf nicht sein, dass die einen sie sich nehmen und die anderen darunter leiden müssen“, sagt die Politikwissenschafterin Birgit Sauer.

„Fürchtet euch nicht! – Das ist in der Bibel die Losung, frei zu sein. Und dennoch können wir nicht furchtlos leben“, meint Franz Schuh. „Die menschliche Freiheit existiert ja nicht zuletzt durch ihre Grenzen, obwohl es Augenblicke gibt, in denen man glaubt, ganz frei zu sein.“

Ein Film von Florian Gebauer, erzählt von Franz Schuh