Allerheiligen und Allerseelen

Zwei katholische Gedenktage für die Heiligen und die Verstorbenen

Allerheiligen und Allerseelen werden in Österreich traditionell zum Friedhofsbesuch, zur Grabpflege und zum Gedenken an Verstorbene genutzt. Was hierzulande als besinnliches Fest am Beginn des Winters gefeiert wird, ist etwa in Mexiko und auf den Philippinen Anlass, um ausgelassen zu feiern.

An den beiden ersten Tagen im November werden in der katholischen Kirche Allerheiligen und Allerseelen gefeiert. Der 1. November gilt als hoher Festtag und ist im Unterschied zum 2. November eigentlich kein Tag des Totengedenkens.

Theologisch steht Allerheiligen in engem Bezug zu Ostern und der Auferstehung der Toten, da die Heiligen laut christlicher Überzeugung bereits in Gemeinschaft mit Gott stehen und eine „Kirche des Himmels“ bilden. Die Kirche gedenkt daher an diesem Tag der vielen unbekannten Heiligen, die in keinem Kalender stehen.

Grablicht auf einem Friedhof
APA/Herbert Neubauer
Friedhofsbesuche gehören für viele Österreicherinnen und Österreicher zu Allerheiligen zur Tradition

Ursprünglich Märtyrergedenken

Die Wurzeln des Festes finden sich im Orient, wo man schon im vierten Jahrhundert ein Gedächtnis aller Märtyrer beging. Das Datum war in den verschiedenen Teilkirchen unterschiedlich. So sind auch der Freitag nach Ostern, der 13. Mai und der Sonntag nach Pfingsten als Gedächtnistage überliefert. Die Ausbreitung des Festes hängt möglicherweise mit der Weihe des Pantheons in Rom zu einer Kirche zu Ehren der Mutter Gottes und aller heiligen Märtyrer durch Papst Bonifatius IV. im Jahr 610 zusammen.

Der 1. November wurde im neunten Jahrhundert durch Ludwig den Frommen in Frankreich eingeführt. Die orthodoxen Kirchen feiern Allerheiligen nach wie vor am ersten Sonntag nach Pfingsten. In der evangelisch-lutherischen Tradition wird der „Gedenktag der Heiligen“ ebenfalls am 1. November gefeiert.

Allerseelen - kein Feiertag - hat seine Wurzeln im Gebet für die Verstorbenen, das bei den Christen seit dem zweiten Jahrhundert überliefert ist. Das eigentliche „Geburtsjahr“ des Allerseelen-Tages ist 998. In diesem Jahr setzte Odilo, Abt des Benediktinerklosters Cluny, für alle ihm unterstellten Klöster fest, dass am Tag nach Allerheiligen aller Verstorbenen durch Gebet und Messe zu gedenken sei. Dieses Gedenken breitete sich rasch über Frankreich, England und Deutschland aus und wird bis heute begangen.

Süßes Totengedenken auf Mexikanisch

Auch in Mexiko ist es Tradition, den Verstorbenen zu gedenken und ihnen Opfergaben zu weihen. Das Totengedenken am 1. November, dem „Dia de los Muertos“, ist hier allerdings ein Grund zur Freude. Im Volksglauben wird angenommen, dass die Seelen der Verstorbenen an diesem wichtigen Feiertag in die Welt der Lebenden zurückkehren und ihre Familien besuchen.

Altäre, „Ofrendas“, werden in Erinnerung an die Toten errichtet und mit persönlichen Gaben geschmückt. Blumen und Lieblingsspeisen der Verstorbenen, geschnitzte Papierfiguren und Muster, Kerzen, lächelnde Skelette, Zuckerwerk in Form von Totenschädeln und das „Pan de Muerto“ (Totenbrot) werden sorgfältig und festlich um den Altar gelegt, um den Verstorbenen den Weg zu den Lebenden zu weisen und mit ihnen zu feiern.

Totenschädel aus Zucker mit bunten Verzierungen
Reuters/Lucy Nicholson
Mit Totenköpfen aus Zucker werden die Altäre verziert

Das öffentliche Leben ist rund um diesen Tag vom Bild des Todes geprägt. Straßen und Geschäfte werden mit Calaveras, Skeletten aus Pappmache, Gips oder auch Zucker, in verschiedensten Varianten geschmückt. Das farbenprächtige Volksfest zu Ehren der Verstorbenen wird mittlerweile auch in anderen Regionen der Welt gefeiert, in die Mexikaner ausgewandert sind. In Wien wird der „Dia de los Muertos“ auf diese Weise von der mexikanischen Gemeinschaft begangen. Seit Jahren organisiert die mexikanische Botschaft die Feierlichkeiten in Wien.

Feiern an der Sonne auf den Philippinen

Auch Philippiner besuchen zu Allerheiligen und Allerseelen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. Der Friedhof wird dabei zu einem Ort des Feierns. Familien stellen Zelte und Sonnenschirme auf und verbringen den ganzen Tag an den Gräbern ihrer Verstorbenen.

Ein Militärfriedhof in Manila wird zu Allerheiligen von Menschen mit Tischen und Sonnenschirmen besucht.
Reuters/Romeo Ranoco
Ein Militärfriedhof in Manila wird während Allerheiligen zum Festplatz

Haiti: Übergänge zwischen Leben und Tod feiern

In Haiti gilt insbesondere der 2. November als Tag der Toten. Anhänger des Vodun (auch Voodoo oder Wodu), einer aus Westafrika stammenden Religion, die davon ausgeht, dass Geister (Iwa) zwischen dem Diesseits und jenseitigen Welten als Vermittler auftreten, verehren an diesem Tag die Geister der Friedhöfe. Hier wird das Fest „Fet Gede“ genannt. Die Gede-Familie der Iwa kontrolliert auf den Friedhöfen den Übergang vom Leben zum Tod.

Eine Voodoo-Zeremonie auf einem Friedhof in Haiti
Reuters/Eduardo Munoz
Anhänger des Vodun führen eine Zeremonie zu Ehren von Baron Samedi auf einem Friedhof in Croix Des Bouquets durch

Verehrt werden vor allem der Baron Cimetiere, das männliche Prinzip der Gede, der als Totengräber mit Hacke und Schaufel erscheint und manchmal einen Sarg trägt, sowie Manman Brigitte, das weibliche Prinzip der Gede. Besonders populär ist aber auch die Verehrung von Baron Samedi (Baron Samstag), der als formell gekleideter, schwarzer Mann oder auch als Skelett beschrieben wird und Zylinder und Spazierstock trägt. Im Rahmen der „Fet Gede“ gedenken Gläubige ihrer Ahnen und bitten um Fruchtbarkeit und Heilung.

Halloween

Der Ursprung des Halloween-Festes ist der keltische Neujahrstag am 1. November. In Britannien, Irland und Nordfrankreich gedachte man der Toten. Der Name des Festes ist eine Veränderung von „Allerheiligen“ („all hallow souls“ oder „all hallow eve“ - Vorabend von Allerheiligen). Um böse Geister abzuwehren, zogen die Menschen von Haus zu Haus mit ausgehöhlten Kürbissen, die, von innen beleuchtet, grimmige Grimassen zeigten.

Übersichtsartikel zum Christentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: