Mission

Bekehrung von Nicht- und Andersgläubigen zum Christentum

Die Weitergabe der Botschaft gehört zu den Grundaufgaben des Christentums, weil es einen universalen, für alle Menschen geltenden Anspruch hat. Im Neuen Testament ist Mission als Auftrag in den letzten Zeilen des Matthäusevangeliums festgehalten: „Geht zu allen Völkern, lehrt alle Menschen und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19).

Christliche Mission schon in der Antike

Dieser sogenannte „Missionsbefehl“, dem auferstandenen Christus in den Mund gelegt, wurde zu einer Zeit niedergeschrieben, als christliche Mission schon einige Jahrzehnte im Gange war: Die Apostel, allen voran Paulus, bereisten den Nahen Osten, Kleinasien und Griechenland. Sie predigten zuerst in Synagogen, dann auch bei Versammlungen der Heiden, und bauten christliche Gemeinden auf.

Aber auch durch die große Mobilität innerhalb des römischen Imperiums, die vor allem Händler und Soldaten betraf, verbreitete sich die Botschaft trotz immer wieder einsetzender Verfolgungen. Schon im 2. Jahrhundert drang das Christentum bis nach Schottland und Persien vor.

Zunehmend politische Bedeutung der Mission

Mit der Duldung des Christentums durch Kaiser Konstantin und später durch die Erhebung zur Staatsreligion durch Kaiser Theodosius I. gewann Mission einen anderen Charakter: Sie wurde zur staatpolitischen Aufgabe und daher mehr und mehr auch mit Gewalt durchgesetzt. Häufig war die Taufe eines Fürsten der Anlass zur Christianisierung eines Stammes oder der von ihm beherrschten Bevölkerung (zum Beispiel die Taufe des Merowingers Chlodwig I. 498).

Seit dem 6. Jahrhundert missionierten iroschottische Mönche unabhängig von Rom den Norden Europas. Ihr Vorläufer war Patrick von Irland (385 bis 461), der die iroschottische Kirche etabliert hatte und heute als Nationalheiliger verehrt wird. Das Wiener Schottenstift wurde erst 1155 in einer späteren Phase von iroschottischen Mönchen aus Regensburg gegründet.

Ein bedeutender Missionar und Kirchenreformer war der gebürtige Ostfriese Bonifatius (673 bis 755), der die Mission unter den Germanen vorantrieb. Er war zuletzt Bischof von Mainz und Utrecht. Karl der Große unterwarf in blutigen Kriegen die Sachsen (772 bis 704), um sie dem fränkischen Reich einzugliedern und sie zugleich zwangsweise zu christianisieren. Daher stellte er alle Aktionen gegen Priester, Kirchen und Klöster unter Todesstrafe.

Slawische Völker von Byzanz aus missioniert

Von Byzanz aus missionierten die Brüder Kyrill und Method im 9. Jahrhundert die slawischen Völker. Sie wurden 815/827 in Thessaloniki geboren. Ihr Verdienst ist die Übersetzung der Bibel und die Verschriftlichung der altslawischen Sprache.

Eine neue Wende brachten die Reconquista in Spanien und die Entdeckung Amerikas. Spanien wurde von Juden und Muslimen „gesäubert“; die Völker Amerikas galten als unterentwickelt und als Ungläubige, womit militärisches Vorgehen gegen sie nach dem Vorbild der europäischen Ketzerbekämpfung gerechtfertigt wurde.

Rolle der Orden bei Missionierung neuer Kontinente

Zunehmend engagierten sich die neu gegründeten Orden in der Missionierung und trugen das Christentum über die erweiterten Handelswege nach Afrika und nach Indien. Die Jesuiten drangen bis Indien (Franz Xaver, gest. 1552) und China vor (Matteo Ricci, gest. 1610). Die Anstrengungen der Missionsarbeit gewannen ihre Energie auch aus der Überzeugung, dass niemand gerettet werden kann, der ungetauft stirbt. Daher waren Massentaufen durchaus erwünscht.

Verschieden Gruppen der reformatorischen Kirchen wurden ab dem 18. Jahrhundert aktiv und missionierten vor allem in Nordamerika und Kanada von England aus, in Australien und Neuseeland, ausgehend von den Niederlanden. Die protestantischen Kirchen waren es auch, die im 19. Jahrhundert als erste einsahen, dass Missionsarbeit koordiniert werden muss, um das Christentum nicht durch innere Differenzen unglaubwürdig zu machen.

Mission in Afrika und Asien

Der Kolonialismus zog, je nachdem welche europäische Nation sich überseeische Territorien aneignete, verschiedene Konfessionen zur Missionsarbeit mit sich, die zugleich zur Rechtfertigung der kolonialen Eroberungen dienten. Die Missionskonferenzen seit 1878 waren die Keimzelle der Ökumenischen Bewegung, der sich die römisch-katholische Kirche erst unter Papst Johannes XXIII. anschloss. Heute unterstützen verschiedene Missionsgesellschaften und die Päpstlichen Missionswerke die Missionsarbeit in Asien und Afrika, die sich vor allem der sozialen und wirtschaftlichen Unterstützung annehmen, ohne Menschen zu Christen „machen“ zu wollen.

Nach den Erfahrungen der Jahrhunderte, in denen missionarische Zwangsmethoden die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft beschädigt hatten, wird heute unter Mission das Zeugnisgeben von Christen in einem nichtchristlichen Umfeld verstanden.

Zunehmend Bedarf an „innerer Mission“

Die Missionierung der monotheistischen Religionen wird weitgehend abgelehnt, insbesondere die Mission unter Juden, für die nur mehr fundamentalistische Kreise eintreten. Die wachsende Entchristlichung Europas hat hingegen die Notwendigkeit der „Inneren Mission“ klar gemacht. Sie entstand unter diesem Namen am Anfang des 19. Jahrhunderts in Norddeutschland (Hinrich Wichern, 1808 bis 1881) und verband in den evangelischen Kirchen religiöse Bildung und soziale Hilfe für Menschen in Not.

Auf katholischer Seite entfaltete sich die Bewegung der „Volksmission“: Prediger suchten Gemeinden auf und versuchten Kirchlichkeit und christliche Überzeugung neu zur Geltung zu bringen. Große Holzkreuze an der Außenwand von Kirchen, versehen mit Jahreszahlen, erinnern an die dort stattgefundene Volksmission.

Übersichtsartikel zum Christentum

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