„Auf der Suche nach dem gerechten Gott“

Das theologische Kernanliegen der Reformation: „Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?“

Mit seiner 86. These hatte Martin Luther die Kirche seiner Zeit theologisch und wirtschaftlich ins Mark getroffen – denn es war die Angst der Menschen vor Fegefeuer und ewigen Höllenqualen, aus der über den Ablasshandel das nötige Kapitel für ehrgeizige Bauvorhaben geschlagen wurde.

„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel...“

Die Menschen waren auf der Suche nach der Vergebung ihrer Sünden – auf der Suche nach einem gerechten Gott, der ihnen zumindest eine faire Chance auf eine paradiesische „ewige Herrlichkeit“ einräumen würde. Martin Luther traf mit seinen 95 Thesen zu Fragen der Buße den Nerv seiner Zeit, denn das Vertrauen in die vorhandenen Institutionen war zutiefst erschüttert: Das Seelenheil war zu einer käuflichen Ware geworden.

Logos
Samstag, 29.4.2017, 19.05 Uhr, Ö1

500 Jahre nach der Veröffentlichung der 95 Thesen ist die Angst der Menschen von damals vor den ewigen Qualen in der Hölle kaum noch nachvollziehbar. „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – weil wir so brav sind“, heißt es in einem Volkslied – und das trifft die moderne Befindlichkeit wohl eher, als die Höllenangst der Menschen vor 500 Jahren.

Theologisch scheint der Streit von einst überwunden: 1999 wurde eine „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ des Lutherischen Weltbundes und des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen unterzeichnet, die gleichsam einen gemeinsamen Standpunkt zum Thema formuliert.

Aus Anlass des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ geht die Ausgabe der Reihe LOGOS den Fragen nach: Was wurde damals wirklich gelehrt? Und welchen neuen Ansatz hat Martin Luther dem entgegenzusetzen? Wohin hat sich Forschung und Lehre seither weiterentwickelt? Und wo stehen die katholische und die evangelischen Kirchen heute in der Fragen der Rechtfertigungslehre?

Gestaltung: Markus Veinfurter

Logos 29.4.2017 zum Nachhören: