Rosenmontag Faschingsparade in Düsseldorf
Reuters/Thilo Schmuelgen
Reuters/Thilo Schmuelgen
Christentum

Fasching: Ursprünge im Christentum des Mittelalters

Die Faschingszeit hat ihren Ausgangspunkt im christlichen Brauchtum des Mittelalters. Doch auch vorchristliche Riten und römische wie germanische Bräuche hatten Einfluss auf die Entstehung des Faschings.

Das mittelhochdeutsche Wort „Vaschanc“, von dem das Wort „Fasching“ herrührt, stand im Mittelalter für den letzten Ausschank von Alkohol vor der einst viel strenger eingehaltenen Fastenzeit. Der Ausdruck „Karneval“ hingegen leitet sich vom lateinischen Begriff „carne vale“ her, was so viel wie „Fleisch lebe wohl“ bedeutet. Als frühere Ursprünge von Karneval, Fasching und Ähnlichem gelten auch die römischen Saturnalien und Lupercalien sowie germanische Riten.

Das Austreiben des Winters spielte hier – wie in vielen anderen Kulturen auch – eine wichtige Rolle. Winterlichen Dämonen sollte mit Hilfe lärmender Zeremonien und vielfach abschreckender Masken und Kostümierungen (zum Beispiel den Perchten in unseren Breiten) ihrerseits das Fürchten gelehrt werden.

Verhältnisse auf den Kopf gestellt

Die Grundidee des Faschings als fröhliches Verkleidungsspiel ist ein – als Ausnahme verstandenes und die herrschenden Verhältnisse nicht grundsätzlich infrage stellendes – Auf-den-Kopf-Stellen der sozialen Strukturen. In der Kirche des Mittelalters gab es schon früh „Narrenfeste“, bei denen „kleine“ Kleriker Rang und Privilegien der Bischöfe übernahmen, ein Kinderbischof gekürt und sogar ein Pseudopapst bestimmt wurde, während die Bewohner von Städten in Prozessionen daran teilnahmen.

[[5229636/Traditionelles, leicht modernisiertes Faschingsgewand beim „Ebenseer Fetzenzug“ (OÖ)]]

Einfache Leute konnten sich während der kurzen Faschingszeit Dinge herausnehmen und Meinungen äußern, die sie während des restlichen Jahres Kopf und Kragen gekostet hätten. Das Prinzip der Umkehrung der sozialen Ränge war schon aus der Römerzeit bekannt, als während der Saturnalien Sklaven und Herren kurzfristig die Rollen tauschten.

Eselsmessen und Tierkostüme

Zu den eigentlichen Karnevalstagen waren Narren- oder Eselsmessen weitverbreitet. Dieser Brauch erinnerte ursprünglich an die Flucht der Jungfrau Maria nach Ägypten, wobei ein junges Mädchen mit einem Kleinkind auf einem Esel durch den Ort zur Kirche geführt wurde, wo es einen Gottesdienst gab. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein ausgelassenes Narrenfest mit Messbesuchern in Tierkostümen und Tierlauten als Gesängen.

Versuche der kirchlichen Obrigkeit, das zu verbieten, verliefen im Sand, das Faschingstreiben wurde als eine Art kathartisches Ventil mehr oder weniger geduldet. Nur das Überschreiten der Fastnachtsfeiern nach dem Fastenbeginn wurde von der Kirche streng geahndet. Bis heute gilt der Karneval als Sinnbild katholischer Mentalität, da in protestantischen Gegenden Zentraleuropas das Karnevalsbrauchtum häufig wieder verloren ging.

Die Reformation stellte die vorösterliche Fastenzeit grundsätzlich infrage, wodurch hier der Sinn des Feierns abhandenkam. Erst nach der Neuentdeckung in den 1990er-Jahren kam es auch in protestantischen Gebieten wieder zu einem Fastnachtsboom. Heute ist der Fasching vor allem im städtischen Raum weitgehend sinnfreier Anlass zum Verkleiden und Feiern für Kinder wie Erwachsene.

religion.ORF.at/APA