Christentum

Fronleichnam

Katholisches Fest in Gedenken an die Präsenz Christi in der Eucharistie

Das Fronleichnamsfest, das die katholische Kirche zehn Tage nach Pfingsten und 50 Tage nach Ostern feiert, soll an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie erinnern. Der entscheidende Anstoß war eine Vision der später heiliggesprochenen Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahre 1209. Sie habe, so wird berichtet, beim Beten den Mond mit einer dunklen Stelle gesehen. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond für das Kirchenjahr stehe, der dunkle Fleck für das Fehlen eines Festes des Eucharistie-Sakraments.

Feierliche Prozessionen in aller Welt

Der Fronleichnamstag beginnt üblicherweise mit einem feierlichen Gottesdienst. Anschließend wird mit der Monstranz, die oftmals unter einem „Himmel“ getragen wird, eine Prozession mit vier Stationen gegangen. Die vier Altäre sollen die vier Himmelsrichtungen symbolisieren, bei denen für die verschiedenen Anliegen der Menschen in Stadt und Land um den Segen Gottes gebetet wird.

Der Glaube an die Gegenwart Christi wird von den katholischen Christinnen und Christen auf die Straßen hinausgetragen. Die Hostien werden in künstlerisch wertvollen alten sowie modernen Monstranzen bei den Prozessionen mitgetragen. Viele Pfarren feiern auch den gesamten Gottesdienst an den vier Altären. Die Erstkommunionskinder gehen bei diesem Fest noch einmal mit ihren festlichen Kleidern und Blumenkörben mit.

[[5263609/Fronleichnamsprozession in Kleinmariazell (NÖ)]]

Geschichte und Theologie des Festes

Fronleichnam wird in der katholischen Kirche seit über 750 Jahren gefeiert, erstmals 1246 in der Diözese Lüttich (heutiges Belgien). 1264 führte schließlich Papst Urban IV. das Fest Fronleichnam als Festtag für die ganze römisch-katholische Kirche ein. Eine Prozession zu Fronleichnam ist erstmals in Köln 1274 bezeugt.

Das Wort Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen (vron = Herr; lichnam = lebendiger Leib) und bedeutet „Lebendiger Leib des Herrn“. Beim Fronleichnamsfest bezeugen die Katholiken ihren Glauben an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie.

Die Fronleichnamsprozessionen sind in der ganzen katholischen Welt – von Österreich bis Lateinamerika, von Polen bis ins indische Goa – mit farbenprächtigen Bräuchen verbunden. In manchen Orten in Kärnten und in der Steiermark legen die Frauen früh am Morgen Blumenteppiche mit mosaikartigen Mustern, Sinnbildern und Sprüchen aus Blüten auf. Italienische Gärtner hatten im späten 18. Jahrhundert diesen Brauch in die heutigen südlichen österreichischen Bundesländer gebracht.

[[5150336/Blumenteppich für eine Fronleichnamsprozession im südspanischen Dorf Valenzuela]]

Eindrucksvolle Seeprozessionen

Zu den eindrucksvollsten Fronleichnamsprozessionen in Österreich zählen jedes Jahr die Seeprozessionen in Oberösterreich. Sie können auf eine reiche Tradition zurückblicken. Die Prozession auf dem Hallstättersee wird 1623 erstmals erwähnt, die auf dem Traunsee 1632. Die Seeprozessionen dürften darauf zurückzuführen sein, dass in Orten wie Hallstatt – das zwischen Seeufer und Salzberg gedrängt liegt – für die in der Barockzeit immer üppiger gewordenen Fronleichnamsumzüge kein Platz war und man daher auf den See auswich.

[[5263585/Seeprozession zu Fronleichnam auf dem Staffelsee in Bayern]]

In Wien hat der „Stadtumgang“ lange Tradition: Im Jahr 1363 lud Herzog Rudolf IV. erstmals zur öffentlichen Fronleichnamsprozession durch die Stadt ein. In der Barockzeit nahmen die spanisch geprägten Habsburger-Herrscher persönlich an der Prozession teil – als erster Ferdinand II. im Jahr 1622. Heute führt der Weg nach einem Pontifikalamt im Stephansdom vom Stephansplatz über die Kärntnerstraße, Führichgasse und Augustinerstraße zur Augustinerkirche mit einer Station am Josefsplatz. Über den Michaelerplatz und den Kohlmarkt führt die Prozession zur Dreifaltigkeitssäule am Graben und zurück zum Stephansplatz. Zu Messe und Prozession werden jedes Jahr Tausende Gläubige erwartet.

Übersichtsartikel zum Christentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon: