„Vom ‚Vater unser‘ zu ‚Allahu akbar‘“

Konversionen in den Weltreligionen: Halt und Lebenssinn suchen viele Konvertitinnen und Konvertiten in der neuen Religion, geht aus Studien hervor. Menschen wechseln ihre Religion bzw. treten einer anderen Religionsgemeinschaft bei und bekommen so eine neue Struktur in ihrem Leben.

Konversionen vom Christentum zum Islam und vom Islam zum Christentum erregen derzeit besonders viel Aufmerksamkeit. „Die neuen Muslime“, wie auch ein neues Buch der Islamwissenschaftlerin Susanne Kaiser heißt, werden in der Debatte oft in Zusammenhang mit der streng-religiösen, ultrakonservativen Strömung des Salafismus in Verbindung gebracht – zu Recht und zu Unrecht. „Neue Christen“ gibt es in Österreich wieder vermehrt seit der sogenannten Flüchtlingswelle 2015. Allein die römisch-katholische Kirche hat im vergangenen Jahr mit rund 750 Erwachsenentaufen einen massiven Anstieg verzeichnet, drei von vier Täuflingen hatten einen muslimischen Hintergrund. Zudem orten manche Experten auch in islamischen Ländern – als Gegenreaktion zum früheren IS-Terror – einen Trend zum Christentum.

Tao
Samstag, 22.9.2018, 19.05 Uhr, Ö1

Starke religiöse Überzeugung

Jeder Mensch hat „das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln […]“, sagt Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die heuer 70 Jahre alt wird. Dieses Recht wird Menschen in den unterschiedlichen Staaten und Rechtssystemen in unterschiedlichem Maße gewährt. Die Skala reicht von völliger Toleranz bis hin zur Tötung von Konvertitinnen und Konvertiten in manchen islamischen Ländern wegen Apostasie (Abfall vom Glauben). Konversionen sind in den meisten Religionen mit einigen Hürden verknüpft. Will man etwa zum Judentum konvertieren, gilt es viel zu lernen – und für Männer zusätzlich, sich beschneiden zu lassen. In Israel hat heuer ein Gesetzesentwurf für Aufsehen gesorgt, nach dem Glaubenswechsel zum Judentum nur mehr nach strengorthodoxem Modus zugelassen werden sollten.

Konvertitinnen und Konvertiten wird eine starke religiöse Überzeugung nachgesagt, welche Motive hatten sie für ihre weitreichende Entscheidung und wie zufrieden sind sie nach der Konversion damit? Wie sind sie in ihre neue Religionsgemeinschaft eingebunden? Gibt es Trends in Bezug auf Konversionen? Werden sie in einer multi-religiösen, pluralen Gesellschaft mehr? Kerstin Tretina hat Expertinnen und Experten dazu befragt und mit Konvertitinnen und Konvertiten unterschiedlichster Religionen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Gestaltung: Kerstin Tretina

Tao 22.9.2018 zum Nachhören:

Buchhinweis:

Susanne Kaiser, „Die neuen Muslime. Warum junge Menschen zum Islam konvertieren“, Verlag Promedia