Arm und Reich

Vor ein paar Wochen hab ich mich sehr geärgert. Wiederholt kam in den Medien eine Meldung über Isabel dos Santos, die angeblich reichste Frau Afrikas, die Angola ausgeplündert haben soll. Eine andere Meldung, in der die Hilfsorganisation Oxfam die ungleiche Vermögensverteilung auf der Welt anprangerte, sah ich nur einmal.

Zwischenruf 2.2.2020 zum Nachhören (bis 1.2.2021):

Eine Frau aus Afrika wird, berechtigterweise oder auch nicht, an den Pranger gestellt. Dabei gilt es als erwiesen, dass multinationale Konzerne Afrika ausplündern, und dass es vor allem weiße Männer sind, die von Reichtum und Korruption profitieren. Genau diese mächtigen Männer sind es auch, die sich querlegen gegen eine Systemveränderung, hin zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Dabei bräuchte es diese Systemveränderung so dringen! Denn wirtschaftlicher Profit bringt nicht automatisch mehr Fortschritt und eine Verringerung der Armut. Er fördert augenscheinlich die Ungleichheit, wenn gesetzliche Regelungen zu einer sozial gerechten Umverteilung fehlen.

P. Franz Helm SVD
ist Steyler Missionar und Geistlicher Assistent der Katholischen Frauenbewegung Österreichs

Ablenkung von den weißen Männern

Im Bericht von Oxfam heißt es, das Vermögen der reichsten 500 Menschen sei vergangenes Jahr um ein Viertel gestiegen. In einem Jahr ein Zuwachs von 25%. Unglaublich! 162 Milliardäre besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Zugleich wird berichtet, dass Frauen weltweit pro Tag zwölf Milliarden Stunden unbezahlt arbeiten. Dies entspricht einem Gegenwert von mehr als 11 Billionen US-Dollar pro Jahr, wenn diese Frauen den Mindestlohn bekämen. Diese Frauen sind in der Armutsfalle, so Oxfam. Sie kommen zu keinem Vermögen, zu keinen Rücklagen. Sie bekommen oft auch keine Pension, oder eine sehr kleine. Altersarmut ist die Folge. Schon Mädchen sind davon betroffen. Weil sie arbeiten müssen, ist oft keine Zeit für die Schule. Infolgedessen bleiben sie in Armut und Elend stecken.

Verstehen Sie meinen Ärger? Empfinden Sie ihn auch? Der Scheinwerfer fällt auf Isabel dos Santos, die mutmaßlich korrupte reiche Afrikanerin. Was für eine geniale Ablenkung von den weißen Männern, von der weltweiten Ausbeutung von Frauen durch unbezahlte oder prekäre Arbeit, von einem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das Fürsorgearbeit oft nicht honoriert und Frauen systematisch benachteiligt und in der Armut festhält.

Zwischenruf
Sonntag, 2.2.2020, 6.55 Uhr, Ö1

Wirtschaften mit Franz von Assisi

Aber nicht nur weltweit ist es so – auch bei uns gibt es ständig diese Ablenkungsmanöver, das An-den-Pranger-Stellen von Asylsuchenden, von auf Sozialhilfe angewiesenen Menschen, von Arbeitslosen. Statt Maßnahmen gegen die Vermögenskonzentration in der Hand weniger zu ergreifen, wird eifrig an Kürzungen bei den Bedürftigen gebastelt. Müsste nicht ein Wort des Hl. Kirchenvaters Basilius die Richtung angeben? „Mehr besitzen als notwendig, heißt die Armen betrügen, heißt stehlen.“ Oder ein Wort aus der Nr. 28 der Enzyklika „Deus caritas est“ von Papst Benedikt XVI., der im Anschluss an den Hl. Augustinus sagt: „Ein Staat, der nicht durch Gerechtigkeit definiert wäre, wäre nur eine große Räuberbande.“

Das Weltwirtschaftsforum in Davos hat nicht in diese Richtung gesteuert. Ich hoffe und bete darum, dass es dazu im März in Assisi kommt. 2.000 Jugendliche aus 115 Ländern folgen der Einladung von Papst Franziskus, über ein Wirtschaften nachzudenken, das vom Hl. Franz von Assisi inspiriert ist. Ganz sicher werden sie den Scheinwerfer auf jene Menschen richten, die von Armut betroffen sind: die Mädchen, die unbezahlt arbeitenden Frauen, die Arbeitsmigranten und Migrantinnen, die Erntearbeiterinnen und Arbeiter, die 24 Stunden Pflegerinnen. Auch sie haben ein Recht, in Würde zu leben. Ich meine, unser Wirtschaften müsste vorrangig dem dienen.