Verpasste Chance im Vatikan

Themen: Karfreitag als persönlicher Feiertag; Vatikan: Anti-Missbrauchskonferenz; Interview mit Doris Wagner-Reisinger; 20 Jahre Kolping-Drogenberatung

Regierung: Karfreitag als „persönlicher Feiertag“

Die österreichische Regierung hat am 26. Februar beschlossen, dass der Karfreitag kein Feiertag werden soll. Stattdessen sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer normal Urlaub nehmen können. „Im Rahmen des bestehenden Urlaubsanspruches kann künftig ein Tag als persönlicher Feiertag beansprucht werden – mit einseitigem Rechtsanspruch des Arbeitnehmers. Dieser muss künftig drei Monate zuvor angemeldet werden – für das Jahr 2019 wird eine kürzere Frist definiert“, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung der Regierungskoordinatoren Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ).

Praxis
Mittwoch, 27.2.2019, 16.05 Uhr, Ö1

Als „positive Lösung mit Wermutstropfen“ bezeichnet der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker die von der Regierung vorgestellte Karfreitag-Regelung. Der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, bezeichnete es als „erfreulich, dass eine Lösung gefunden wurde, die für Evangelische und Altkatholiken akzeptabel ist und ihnen ermöglicht, den Karfreitag als Feiertag in gewohnter Weise zu begehen“. Was bedeutet diese neue Variante nun, fragt Kerstin Tretina den Religionsrechtsexperten Stefan Schima.

Anti-Missbrauchskonferenz: Aufbruch oder leere Worte?

Wie am 26. Februar bekannt wurde, ist im Dezember der australische Kardinal George Pell wegen der Vergewaltigung eines Chorknaben und sexueller Nötigung eines weiteren Buben schuldig gesprochen worden. Der ehemalige Finanzchef des Vatikan und Vertraute von Papst Franziskus ist weltweit der ranghöchste katholische Würdenträger, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt und verurteilt worden ist. Am Sonntag ist im Vatikan der von Papst Franziskus einberufene Anti-Missbrauchs-Gipfel zu Ende gegangen. Einen „Qualitätssprung“ sehen die einen in dem Anti-Missbrauchsgipfel, "nur leere Worte“, kritisieren andere. ORF-Rom-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder berichtet aus dem Vatikan.

Ex-Ordensfrau Wagner-Reisinger: Anti-Missbrauchskonferenz war „verpasste Chance“

Die Anti-Missbrauchskonferenz beobachtet hat auch Doris Wagner-Reisinger, jene ehemalige Ordensfrau der sogenannten Neuen geistlichen Familie „Das Werk“, die erst kürzlich mit ihrem Buch über spirituellen Missbrauch in der katholischen Kirche und ihrem öffentlichen Gespräch mit Kardinal Christoph Schönborn aufhorchen hat lassen. Als Opfer sexueller Gewalt durch einen Geistlichen fällt ihre Bilanz über die Konferenz gegenüber dem Ö1-Religionsmagazin „Praxis“ durchwachsen aus, enttäuscht ist sie über die Abschlussrede von Papst Franziskus. Kein Wunder, meint der Politberater Thomas Hofer. Er hat die Konferenz im Vatikan auch im Lichte der Änderungen im Kommunikationsverhalten der katholischen Kirche beobachtet, die sie in den vergangenen Jahrzehnten sehr langsam vollzogen hat. Als damaliger Journalist des Nachrichtenmagazins Profil war er intensiv mit der Causa Groer und dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle in Österreich befasst. Judith Fürst hat mit ihm und Doris Wagner-Reisinger über ihre Eindrücke von der Missbrauchskonferenz gesprochen.

Gegen die Sucht: 20 Jahre Kolping-Drogenberatung

Seit 20 Jahren gibt es sie: die Wiener Sucht- und Drogenberatung für Jugendliche und Angehörige des Kolpingwerks. Das ist jene katholische Organisation, die vom Priester und Sozialreformer Adolph Kolping im 19. Jahrhundert gegründet wurde. Heute ist das Internationale Kolpingwerk in 61 Ländern der Erde mit rund 400.000 Mitgliedern vertreten und gilt somit als eines der großen Sozialwerke der römisch-katholischen Kirche. Roberto Talotta hat die Drogenberatungsstelle in der Wiener Paulanergasse besucht und dort mit Beraterinnen und einem jungen Klienten gesprochen.

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 27.2.2019 zum Nachhören (bis 26.2.2020):

Buchhinweis:

Doris Wagner, „Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche“, Verlag Herder

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