Mehr Kopf als Tuch: Musliminnen fordern Selbstbestimmung

Mehr Kopf als Tuch: Musliminnen fordern Selbstbestimmung | Jüdisches Dialogprojekt Likrat: Begegnung unter Jugendlichen | Kampfsport und Gebet: Kung-Fu-Nonnen im Himalaya | Evangelische Diakonie: Sozialhilfe als „schwarze Pädagogik“ | „Himmlisch frei“ – Von der befreienden Fähigkeit zur Transzendenz

Sendungsprofil Orientierung
ORF

Sendungshinweis

am 17.3.2019, 12.30 Uhr, ORF 2
am 21.3.2019, 9.00 Uhr, ORF III und am 23.3.2019, 11.30 Uhr, ARD ALPHA

Mehr Kopf als Tuch: Musliminnen fordern Selbstbestimmung

„Keine Verbotspolitik auf unseren Köpfen“ - die 19-jährige Chemie-Studentin Fatima El Shebiny ist eine von mehr als 3.500 muslimischen Frauen, die diese Forderung an die Politik erhebt.

Mit der Deklaration „Musliminnen am Wort“, die diese Woche präsentiert worden ist, wenden sich die Frauen gegen Kopftuchverbote, Bevormundung sowie Diskriminierung und fordern ihr Recht auf Selbstbestimmung ein.

Mit oder ohne Kopftuch - Musliminnen wollen sich für ihre Kleiderwahl vor niemandem rechtfertigen müssen. Von der Politik fordern sie nun, dass mit ihnen statt über sie geredet wird. Die Frauen nehmen mit der Deklaration aber auch muslimische Männer in die Pflicht. In den islamischen Institutionen sind Frauen unterrepräsentiert – vor allem in Leitungsfunktionen.

Das muss sich ändern, sagt Carla Amina Baghajati, Projektleiterin der Initiative „Musliminnen am Wort“. Sie fordert: Frauen sollen in den Gremien der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich in Zukunft mehr mitbestimmen können.

Bericht: Clara Akinyosoye, Länge: 5 Minuten

Jüdisches Dialogprojekt Likrat: Begegnung unter Jugendlichen

Eidel Malovicki (17) ist so genannte „Likratina“, Viktor Zirelman (18) ist so genannter „Likratino“. Der Begriff „Likrat“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie „Aufeinanderzugehen“. Und genau darum geht es auch im gleichnamigen Jugend- Dialogprojekt der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

Es ist ein Angebot an Schulklassen und Jugendzentren, einen interkulturellen Dialog auf Augenhöhe zu führen. In der Praxis bedeutet das: Jüdische Jugendliche kommen z.B. in Schulklassen, stellen sich den Fragen von Gleichaltrigen und geben bereitwillig Auskunft über ihr „Jüdischsein“.

So war das auch vor wenigen Tagen im Brigittenauer Gymnasium in der Karajangasse in Wien der Fall – einer „Multikulti“-Schule, die das „Likrat“-Angebot gerne angenommen hat. Entstanden ist das Projekt „Likrat“ vor mehr als 15 Jahren in der Schweiz. Seit 2015 gibt es „Likrat“ auch in Österreich. Seither hat man in über 100 Begegnungen rund 1900 Jugendliche erreicht.

Bericht: Dorit Muzicant, Marcus Marschalek, Länge: 6 Minuten

Kampfsport und Gebet: Kung-Fu-Nonnen im Himalaya

Als „etwas andere Nonnen“ gelten die Nonnen des tibetisch-buddhistischen Drukpa-Ordens, die in einem Kloster unweit der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu zu Hause sind: Sie meditieren und beten – und betreiben tagtäglich eine Form der körperlichen Ertüchtigung, die im Buddhismus eigentlich Männern vorbehalten ist – Kung Fu.

Dass sich die Drukpa-Nonnen diesem Kampfsport widmen können, ist einer „Revolution“ zu verdanken, die das spirituelle Oberhaupt des mehr als 800 Jahre alten Ordens in Gang gesetzt hat: „Seine Heiligkeit“, der 12. Gyalwang Drukpa, fördert die „volle Gleichberechtigung seiner Nonnen“, die auch für weitere Aktivitäten bekannt sind.

Jahr für Jahr sind sie tausende Kilometer unterwegs, zu Fuß oder auf Mountain-Bikes, um Menschen in entlegenen Gebieten der Himalaya-Region für den Schutz der Umwelt und des Wassers zu sensibilisieren. Und noch eine Initiative sorgt immer wieder für Schlagzeilen: Im nordindischen Ladakh veranstalten die Drukpa-Nonnen „Kung-Fu-Workshops“ für Mädchen.

Dabei geht es einerseits um Gleichberechtigung und die Steigerung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Andererseits aber vor allem darum, die indischen Mädchen „verteidigungsfähig“ zu machen – in einem Land, in dem Frauen statistisch gesehen gefährlicher leben als irgendwo sonst auf der Erde.

Bericht: Alexander W. Rauscher, Länge: 7 Minuten

Evangelische Diakonie: Sozialhilfe als „schwarze Pädagogik“

Heftige Kritik an der neuen Sozialhilfe, die demnächst die bisherige Mindestsicherung ablöst, kommt vonseiten der Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser.

Betroffene seien verunsichert und würden sich vor der Zukunft fürchten. Moser schildert das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter von vier Kindern, die nicht wisse, wie sie demnächst über die Runden kommen solle. Die Diakonie-Direktorin kritisiert auch, dass die Höhe der Sozialversicherung von den Deutschkenntnissen der betroffenen Person abhängig gemacht wird.

Hier werde mit einer „schwarzen Pädagogik“ gearbeitet anstatt Menschen wirklich gut zu unterstützen, so Maria Katharina Moser. Im Interview mit der „Orientierung“ spricht Moser auch über die jüngste Entscheidung der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich, der zufolge homosexuelle Paare – nachdem sie standesamtlich geheiratet haben – auch im Rahmen eines evangelisch-lutherischen Gottesdienstes gesegnet werden können.

Bericht: Sandra Szabo, Länge: 5 Minuten

„Himmlisch frei“ – Von der befreienden Fähigkeit zur Transzendenz

„Himmlisch frei – Warum wir mehr Transzendenz brauchen“ (edition a) heißt das jüngste Buch von Renata Schmidtkunz. Die Autorin – bekannt auch als ORF-Moderatorin, Redakteurin und Gestalterin von Dokumentarfilmen - legt damit ein Plädoyer für Träume, Utopien und Phantasien vor.

Transzendenz beschreibt Schmidtkunz als die Fähigkeit, über sich selbst und die Welt - wie sie wahrgenommen wird - hinauszudenken. Wenn diese Denkfähigkeit verloren ginge, dann seien Menschen sehr leicht manipulierbar.

Schmidtkunz, die auch evangelische Theologie studiert hat, beschreibt die Fähigkeit zur Transzendenz über religiöse Befindlichkeiten und Begriffe hinaus und nennt Philosophie, Kunst und Wissenschaft - neben Religion - als „notwendigen Rahmen“. Das Buch wurde am vergangenen Mittwoch im Albert-Schweitzer-Haus in Wien präsentiert.

Bericht: Sandra Szabo, Länge: 2 Minuten

Kärntner Pfarrer starb bei Flugzeugabsturz

Ein Kärntner Pfarrer aus Villach und ein Kärntner Arzt sind unter den Opfern des Flugzeugabsturzes von Äthiopien. Der evangelische Pfarrer befand sich auf dem Weg zu einer UNO-Konferenz.

Moderation: Sandra Szabo
Redaktionsleitung: Norbert Steidl