Gestrandet an der EU-Grenze - Hilfe für Flüchtlinge in Bosnien

Gestrandet an der EU-Grenze – Hilfe für Flüchtlinge in Bosnien | Frankreich: Theologin will Erzbischöfin werden | Philipp Blom: Mit Geschichte und Geschichten die Welt neu denken

Sendungsprofil Orientierung
ORF

14.6.2020, 12.30 Uhr, ORF 2
16.6.2020, 9.30, ORF III
16.6.2020, 11.05, ORF 2
20.6.2020, 11.30 Uhr, ARD ALPHA

Gestrandet an der EU-Grenze: Hilfe für Flüchtlinge in Bosnien

Die einen wollen mit allen Mitteln in die EU. Die anderen wollen das mit fast allen Mitteln verhindern. Die einen haben nichts mehr zu verlieren, die anderen versuchen ihren vermeintlichen Wohlstand zu schützen.

Tausende Menschen sind im Grenzland zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien seit Monaten in einer Sackgasse, und Tag für Tag drängen mehr Menschen nach.

Die Chance, über die Grenze in die Europäische Union zu gelangen, um dort um Asyl anzusuchen, schwindet immer mehr. Zäune werden sukzessive erweitert, Polizeieinheiten verstärkt. Die Einheimischen im bosnischen Bihac haben selbst kaum genug und fühlen sich alleine gelassen. Die örtlichen Hilfsstrukturen sind hoffnungslos überlastet.

Besucher sprechen teilweise von den schlimmsten Verhältnissen, die sie je gesehen haben. Nationalisten nutzen die Situation, um Stimmung für sich und gegen die „Fremden“ zu machen. Die Coronavirus-Pandemie hat die Lage nochmals verschärft.

Journalistinnen und Journalisten sowie ausländische Hilfsorganisationen mussten sich zurückziehen. Moscheevereine, Pfarrnetzwerke und viele private Helferinnen und Helfer wollen die Verhältnisse nicht hinnehmen und haben über Landesgrenzen hinweg ein Netz der Solidarität und Hilfe mit den Asylsuchenden geknüpft.

Bericht: Marcus Marschalek

Im „Orientierung“-Studiogespräch: Judith Kohlenberger, Kulturwissenschafterin, Wirtschaftsuniversität Wien

Frankreich: Theologin will Erzbischöfin werden

Der Posten ist vakant; eine Bewerberin sorgt für Aufsehen, obwohl ihre Chancen so gut wie aussichtslos sind: Die Theologin Anne Soupa will im Erzbistum Lyon in Frankreich den Platz von Kardinal Philippe Barbarin einnehmen.

Barbarin war Anfang März zurückgetreten; ihm war vorgeworfen worden, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben. Gerichtlich war er Anfang des Jahres vom „Vorwurf der Nichtanzeige sexueller Übergriffe“ freigesprochen worden. Anne Soupa ist jedenfalls die erste Frau in Frankreich, die eine solche Bewerbung wagt.

Sie bemüht sich seit Jahren um die Gleichstellung der Geschlechter innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Kenner der Institution in Frankreich halten es zwar für ausgeschlossen, dass eine Frau für dieses Amt in Frage kommt, dennoch wirbelt die Bewerbung gehörig Staub auf. Cornelia Primosch war für die „Orientierung“ in Lyon und hat die Bewerberin getroffen.

Bericht: Cornelia Primosch

Philipp Blom: Mit Geschichte und Geschichten die Welt neu denken

Fragen von heute seien mit Antworten von gestern nicht zu lösen, meint der Historiker Philipp Blom. In seinem Essay „Das große Welttheater – Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs“ (Paul Zsolnay Verlag) fordert er neue Geschichten und Gedankenräume für aktuelle Krisen und beleuchtet vergangene Epochen, um Vergleiche für die Gegenwart zu ziehen.

Verfasst hat er die Schrift für die Salzburger Festspiele, erschienen ist sie nun in Buchform. Das wirkungsgeschichtlich bedeutende Motiv aus dem Alten Testament – nämlich der Auftrag Gottes an die Menschen, die Vormachtstellung in der Natur einzunehmen – sei längst überholt und lebensgefährlich, sagt der Historiker.

Doch was bedeutet es, wenn Klimawandel und Pandemien neue Umwälzungen herbeiführen? Wenn Demokratien bröckeln, soziale Ungerechtigkeit größer wird und das Wirtschaftswachstum stagniert? Blom ist überzeugt, dass die Herausforderungen nicht weniger als eine komplette Neuordnung unseres Gesellschaftssystems erfordern.

Bericht: Karo Thaler