Politik

Frida-Kahlo-T-Shirts, Frida-Kahlo-Tassen, Frida-Kahlo-Pölster. Webseiten vermarkten Kleider und Accessoires im Kahlo-Stil.

Gedanken für den Tag 6.7.2017 zum Nachhören:

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Sie versprechen, die Aura des Revolutionären gleich mit zu erwerben. Denn die mexikanische Malerin ist seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer Ikone revolutionärer Haltung geworden - ihr blumenbekränztes Konterfei mit den zusammengewachsenen Augenbrauen beinahe so bekannt wie das von Che Guevara. Die Fotos von ihrem mit Hammer und Sichel bemalten Gipsverband und dem mit der kommunistischen Fahne bedeckten Sarg prägten sich unvergesslich ein. Längst hat das öffentliche Bild die historische Gestalt in den Hintergrund gedrängt.

Johanna Schwanberg
ist Direktorin des Dom Museum Wien

Selbstbildnis an der Grenze zwischen den USA und Mexiko

Frida Kahlo, die heute vor 110 Jahren geboren wurde, hat sich leidenschaftlich für die Mexikanische Revolution eingesetzt: Sie änderte sogar ihr Geburtsjahr von 1907 auf 1910, damit es sich mit dem Ausbruch der Revolution deckt. Ihre Malerei sei aber „nicht revolutionär“, meinte sie selbst. Kahlos etwa 150 Bilder umfassendes Werk war immer zutiefst subjektiv und dennoch nicht minder politisch als das ihrer männlichen Wandmaler-Kollegen, die Politik zum Hauptthema ihrer Kunst erklärten. Dass Frida Kahlo sich in Bildern bewusst der Sprache der volkstümlichen Malerei Mexikos zuwandte, ist etwa als politische Botschaft zu verstehen.

In dem 1932 entstandenen „Selbstbildnis an der Grenze zwischen den USA und Mexiko“ stellt Kahlo die technikfreundliche Welt der Vereinigten Staaten dem präkolumbischen Mexiko gegenüber, das von Fabriken und roboterhaften Gebilden bedroht wird. Sie selbst steht als Vermittlerin in einem europäischen Rüschenkleid mit mexikanischer Flagge in der Hand zwischen den beiden Kulturen. Kahlo weist in einer eigenständigen Bildsprache auf den neokolonialistischen Druck einer Industriemacht gegenüber einem ärmeren Nachbarn hin. Sie überbringt so politische Botschaften, die heute noch genauso gültig sind wie damals.

Musik:

Liberacion/Gesang m.Begl., Miguel Galindo/Gesang m.Begl., Alejandro Marehuala/Gesang m.Begl. und Gerardo Garcia/Gesang m.Begl.: „El antifaz“ aus: FRIDA / Original Filmmusik von Luis Arcaraz Torras
Label: DG/Universal Classics 4741502