Tod und Leben

Was für einen größeren Kontrast könnte es geben als den zwischen Tod und Leben! So kann man die Erinnerung an die Sterblichkeit, die den gestrigen Aschermittwoch geprägt hat, auch als Aufforderung verstehen, sich dem Leben zuzuwenden.

Gedanken für den Tag 15.2.2018 zum Nachhören:

Zukunftsforscher entwickeln bereits Bilder einer Welt, in der der Tod besiegt ist. Zuerst werden die Menschen 100 Jahre alt, dann 200, dann 500 und irgendwann werden sie unsterblich. Das wird natürlich nur für die gelten, die es sich leisten können. Die große Masse der Unterprivilegierten wird weiter sterben, wie sie es immer getan hat.

Franz Josef Weißenböck
ist katholischer Theologe und Autor. Das Buch „Credo“ ist im Verlag Va bene erschienen.

Unendliche Last

Erst durch sein Ende wird das Leben kostbar, erst die Begrenzung gibt ihm Wert und Würde. Es ist die Frage, ob in einer Welt der Unsterblichen Liebe möglich wäre.

Simone de Beauvoir hat in ihrem Buch Alle Menschen sind sterblich dieses Thema aufgegriffen. Im Italien des 13. Jahrhunderts trinkt Fosca ein Lebenselixier, das ihn unsterblich macht. Zuvor hat er es an einer Maus ausprobiert. Nach diesem Trank wandert Fosca durch die Jahrhunderte. Er wird nicht sterben, er kann nicht sterben, selbst wenn er es wollte. Aber dieses nie endende Leben wird ihm zu einer unendlichen eintönigen Last. Es ist ihm unmöglich, eine Frau zu lieben, und seine Unsterblichkeit macht es Frauen unmöglich, Fosca zu lieben. Alles, was er ist und was er tut, ist wertlos, weil Fosca unsterblich ist. „Ich ertrage es nicht, von Händen gestreichelt zu werden, die niemals verwesen werden“, sagt ihm eine Frau.

Foscas Alptraum

Das ist am Ende Foscas Alptraum: Dass die Erde weiß und starr ist, ohne jedes Leben. Es gibt nur noch den Mond am Himmel und die starre, weiße Erde, und auf dieser Erde Fosca und die Maus, die vor ihm von dem Elixier getrunken hat.

Man kann bezweifeln, dass die Fantasien mancher Zukunftsforscher je Wirklichkeit werden. Aber ohne jeden Zweifel ist eine Welt, in der der Tod abgeschafft ist, weder eine lebens- noch eine liebenswerte Welt.

In etwa jener Zeit, in der Simone de Beauvoir Fosca das Lebenselixier trinken lässt, hat Franz von Assisi seinen Sonnengesang gedichtet. Darin heißt es:

Gelobt seist Du, mein Herr, durch unseren Bruder Tod.
Ich füge dem für mich hinzu: Denn er gibt den Dingen ihren Wert und der Liebe ihre Tiefe.

Musik:

„Auf Den Dächern“ von Garish
Label: Ink/Schoenwette