Heaven, not Sky

Die Weisen aus dem Morgenland waren wahrscheinlich Astronomen, die Priester Mesopotamiens, auf deren Zahlenwissen wir heute noch aufbauen, blickten von der Höhe ihrer Stufenpyramiden hinauf; griechische Priester bauten Tempel auf die Bergesgipfel, um dem Sonnengott Helios näher zu sein; die gotischen Dome strebten himmelwärts, zu etwas, dem man zuschrieb, größer zu sein als das Irdische.

Gedanken für den Tag 28.4.2018 zum Nachhören:

Das Feuer, das auf den Steinzeitmenschen fiel, kam vom Himmel, das Licht, das wärmt, das Wasser, das nährt, es wird uns zugemessen, unbeeinflussbar, aus zum Teil unvorstellbaren Entfernungen.

Reinhard Deutsch
ist Verleger

Jenseits der Vorstellung

Die wissenschaftlichen Erklärungen erhellen die Zusammenhänge, erforschen Ursache und Wirkung, bringen das Licht der Erkenntnis in das Dunkel des Unbegreiflichen – doch dennoch … es bleibt und wird immer bleiben – ein Rest. Transzendenz, Glaube, Kult, Pantheismus oder Weltreligion – der Kompass in uns zeigt auf etwas, das jenseits aller Begrenzungen liegt. Kaum ein Mensch wünscht sich ein völliges Verschwinden, ein Auslöschen jeder Erinnerung an ihn; wer nicht an ein Leben nach dem Tode glaubt, wie auch immer man sich das vorstellen mag, der will doch weiter bestehen im Gedächtnis derer, die ihn liebten; die Schrift auf dem Grabstein erzählt von einer Existenz, die war.

Diese Sehnsucht, dieses Hoffen – das ist der Kompass in uns, der in ein Oben zeigt, das überall sein kann. Wir haben den Himmel begrifflich festgemacht als den Ort des hoffnungsvoll Unbekannten. Doch damit meinen wir nicht den nächtlich sternefunkelnden, den tags sonneglänzenden, den wolkenverhangenen, den trüben wie den strahlenden Himmel. Die Hoffnung, das Sehnen, vielleicht auch das Handeln richten sich auf einen Himmel, der nicht mehr unterscheidet zwischen Ost und West und Nord und Süd und Oben und Unten. Auf einen Himmel, der in uns beginnt und im Unendlichen endet. Ein Himmel, der wir anderen auf Erden sein können. Ein Himmel, dessen Geheimnisse wir nicht erforschen können, höchstens erfahren. Ein Himmel, der jenseits ist alles dessen, was Landkarte, Globus und Kompass erschließen. Eine Dimension jenseits alles Vorstellbaren…

Musik:

Annie Lennox und London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Howard Shore: „Into the west“ aus dem Film „The Lord of the Rings: The Return of the King“ von Howard Shore, Fran Walsh und Annie Lennox
Label: Reprise/Warner Music PRO 4430