Don Camillo zwischen Religion und Politik

Neben dem katholischen Priester Don Camillo und dem kommunistischen Bürgermeister Peppone gibt es in den Geschichten von Giovannino Guareschi eine dritte Hauptperson: Jesus. Mit ihm hält Don Camillo regelmäßig Zwiesprache. Ich habe noch diese sanfte und doch eindringliche Stimme in den Don-Camillo-Filmen im Kopf, die früher so häufig im Fernsehen gezeigt wurden.

Gedanken für den Tag 28.7.2018 zum Nachhören:

Es ist ein milder – wenn man will: ein sehr moderner – Jesus. Wenn Don Camillo wieder einmal die Kommunisten verflucht und ihnen die Hölle oder die Sintflut an den Hals wünscht, dann erinnert ihn Jesus daran, dass er sogar jenen vergeben hat, die ihn ans Kreuz geschlagen haben. Aber auch gegenüber Don Camillo übt Jesus Vergebung: Etwa wenn der Priester sich aus Gründen der Menschlichkeit über kirchliche Vorschriften hinwegsetzt oder wenn er versucht, Jesus eine kleine Schwindelei aufzutischen.

„Lasst Gott aus der Politik“

Vor allem mag es Jesus nicht, wenn Don Camillo Religion und Politik vermischt. Er weist den mitunter rabiaten Priester zurecht, wenn sich dieser von der Kanzel herab in die Tagespolitik einmischt. „Die allgemeine politische Lage interessiert mich nicht“, sagt Guareschis Jesus einmal.

Michael Krassnitzer
ist Journalist

Wir Menschen sollten uns natürlich für die politische Lage interessieren. Aber bitte lassen wir dabei Gott, oder an wen auch immer wir glauben, aus dem Spiel. In Österreich war die Verflechtung zwischen katholischer Kirche und den Christlichsozialen in der Ersten Republik ein Mitgrund für den Bürgerkrieg. Das sollte uns eine Lehre sein.
Es ist meine tiefste Überzeugung: Religion, egal welche, hat in der Politik nichts verloren.

Musik:

Daniele Ruggieri/Flöte, Alessandro Baccini/Oboe, Mario Paladin/Viola, Carlo Teodoro/Violoncello, Susanna Mildonian/Harfe, Ex Novo Ensemble: „Allegro ben moderato - 1.Satz“ aus: Quintett für Flöte, Oboe, Viola, Violoncello und Harfe von Nino Rota
Label: ASV CD DCA 1072