Gemeinsamkeit von Mensch und Tier

Ich bin in einer Kultur des Fleisch-Essens geboren und aufgewachsen. Sogar Hausschlachtungen habe ich als Kind miterlebt und daher war es die längste Zeit meines Lebens für mich selbstverständlich, dass ein großer Teil meiner Nahrung aus tierischen Produkten bestanden hat.

Gedanken für den Tag 6.10.2018 zum Nachhören:

Es gab um mich herum immer viele Tiere und ich hatte auch eine Beziehung zu diesen Tieren. Diese Beziehung war durchaus liebevoll, aber auch sehr wertend und unterscheidend. Die einen Tiere waren zum Streicheln da, andere zum Arbeiten und wieder andere, oder manchmal auch dieselben, wurden gegessen.

Gerhard Weißgrab
ist Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft

Wie Veränderung geschieht

Weit entfernt von buddhistischer Philosophie galt in meiner Kindheit der Spruch: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz!“ Einerseits könnte ich diesen Spruch jetzt akribisch analysieren und fragen, ob das Quälen nur als Scherz nicht stattfinden darf, aber mit jeder anderen Motivation schon? Andererseits drückt dieser Spruch auch die buddhistische Philosophie von der Gemeinsamkeit des Menschen mit den Tieren als fühlende Wesen aus. Auf jeden Fall aber kann dieser Spruch ein wichtiger Baustein in der Bildung und Entwicklung von Kindern, Jugendlichen - eigentlich der gesamten Menschheit sein.

Leider sind aber Sprüche und Gebote zu wenig - wie wir - nicht nur im Tierschutz, sondern in allen Bereichen unserer Gesellschaft feststellen müssen. Es erfordert einen Weg des Erkennens und der Einsicht, wenn Veränderung stattfinden soll - und das kann ich aus eigener Erfahrung absolut bestätigen. Voraussetzung dafür sind Anstöße und besondere Erlebnisse, um überhaupt auf die Idee zu kommen, etwas ändern zu wollen. Das kann auf ganz unterschiedliche Art erfolgen, wichtig ist, dass Veränderung überhaupt geschieht. Ich selbst kann mich an kein einzelnes spezielles Erlebnis erinnern, welches den Anstoß gab, dass ich inzwischen seit rund 10 Jahren kein Tier esse. Was ich aber weiß ist, dass ich das nicht deshalb mache, weil „man es nicht soll oder darf“, sondern aus einem tiefen Bedürfnis und Verständnis heraus, Tieren kein Leid zuzufügen.

Musik:

Tenzin Lhamo: „Gyalwa Karmapa“ aus: LIVING BUDDHA / Original Filmmusik von Palden Tawo, bearbeitet von Ulrich Bassenge
Label: Virgin 8395952