Das Versprechen

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Schleiermacher: Im Jahr 1796 wurde Schleiermacher Prediger an der Charité in Berlin. Seine Hauptaufgabe in diesem damals vergleichsweise recht unbedeutenden Amt war die Betreuung der reformierten Patienten und Patientinnen im Krankenhaus.

Gedanken für den Tag 21.11.2018 zum Nachhören:

So hatte er ausreichend Zeit für eigene Studien, aber vor allem für den Aufbau seiner sozialen Kontakte, seiner Geselligkeit, auch über das vertraute kirchliche Milieu hinaus. Rasch fand er Anschluss im Haus des jüdischen Arztes Dr. Marcus Herz, mit dessen Frau Henriette ihn eine jahrlange „vertraute und herzliche Freundschaft“ verband. Gemeinsam lasen die beiden Goethes Entwicklungsroman „Wilhelm Meister“, der das grundlegende literarische Werk der frühen Romantik darstellte.

Michael Bünker
ist Bischof der evangelischen Kirche in Österreich

Keine Neigung zur Schriftstellerei

In diese Zeit revolutionärer Umbrüche und Aufbrüche fällt auch seine Freundschaft mit Friedrich Schlegel, mit dem er auch für zwei Jahre die Wohnung teilte. Friedrich Schlegel, geistreich, skandalumwittert und brillant, eröffnete Schleiermacher den Zugang zum Kreis der Frühromantiker. Das sollte nicht ohne Folgen bleiben. Am 21. November 1797, also an Schleichermachers 29. Geburtstag, als dieser noch im „Negligé“ an seinem Schreibtisch saß, brach plötzlich eine Gästeschar herein, um ihm zu gratulieren. Schlegel wollte dem Freund einen Possen spielen und stachelte die Gesellschaft auf, Schleiermacher das Versprechen abzuringen, dass er endlich fleißig werden und Bücher schreiben sollte. Mit Handschlag wurde das Versprechen besiegelt.

In einem Brief gestand Schleiermacher später, dass ihn das Versprechen schwer drückt, „weil ich zur Schriftstellerei gar keine Neigung habe“. So verging doch noch einige Zeit, bis er das Versprechen einlöste. 1799 erschien anonym „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern“. Die Reden über die Religion machten Schleiermacher schlagartig berühmt und sind bis heute sein bekanntestes Werk.

Musik:

Jorge Bolet/Klavier: „Jägerlied op. 19 Nr. 3 in A-Dur für Klavier“ - aus „Lieder ohne Worte“ - Molto allegro e vivace von Felix Mendelssohn Bartholdy
Label: Decca 4173612