Morgensport

So manche Gesundheitsapostel reden unablässig vom Morgensport. Wir turnen, wir dehnen uns – oder einander, wir springen aus den kaputtesten Matratzen an die Decke. Wir atmen ein und wir atmen aus. Wir öffnen die Fenster, vor allem im Winter, bei Schneesturm. Wir duschen kalt.

Gedanken für den Tag 31.1.2019 zum Nachhören:

Wir sind auch dem nicht abgeneigt, was der gelernte Sportmediziner hinter vorgehaltener Hand seit Jahrzehnten als „menschenfreundliche Turnübung“ bezeichnet. Wir sind offen für alle Interpretationen dieser kryptischen Worte. Wir versuchen, uns ans Licht zu gewöhnen. Wir wollen die Träume, die guten und die schlechten, wie das so schön poetisch heißt, „aus dem Hirn frisieren“. Wir frisieren zur Abwechslung aber auch unsere Kinder. Wir versuchen uns zu rasieren. Irgendwie funktioniert alles irgendwie. Auch mit halb geschlossenen Augen.

Herbert Maurer
ist Schriftsteller und Übersetzer

Das Bett in die Hand nehmen

Es geht um nichts anderes alles um die Belebung des Kreislaufs – es geht um die Zukunft unseres Herzens, vielleicht auch um die Erfrischung unseres Hirns. Wer die Fenster aufmacht, der sollte auch seine Augen aufmachen und spüren und sehen, wie die frische Luft ins Hirn weht.

Morgensport: Ist das Aufstehen ein sportliches Ereignis oder – unter dem Motto „steh auf, nimm dein Bett und geh“ eine religiöse und metaphysische Aktion? Eine physische Aktion ohne Zweifel. Versuchen wir also unser Bett in die Hand zu nehmen, auch das eine oder andere Kinderbett – jedes Bett, auch das Sterbebett ist und bleibt ein Kinderbett, atmen wir durch und beginnen wir zu gehen.

Musik:

Brünner Orchester unter der Leitung von Jiri Hudec: „On Midsummer Morning“ aus: Musica Festiva - Suite aus dem slowakischen Leben von Anton Hasefeld
Label: Campion Records RRCD 1309