Zwischen Pessach und Ostern

Ich komme aus einem christlich-jüdischen Elternhaus. Meine Frau ist römisch-katholisch. Ein Familienmitglied ist äthiopisch-orthodox. Und ich selbst bin ja evangelisch-reformiert.

Gedanken für den Tag 15.4.2019 zum Nachhören (bis 14.4.20202):

Zu den Feiertagen ist diese Konstellation besonders spannend. Da gibt es die unterschiedlichen Bräuche, Traditionen und Speisen. Das gilt vor allem für die Karwoche und Ostern und für das jüdische Pessachfest.

Thomas Hennefeld
ist Landessuperintendent der evangelisch-reformierten Kirche in Österreich

Es gibt einen anderen Weg

Manchmal überschneiden sich die Feiertage. Heuer fällt der Karfreitag sogar mit dem ersten Sederabend zusammen. Das äthiopische Osterfest wird dieses Jahr, wie auch in den anderen orthodoxen Kirchen, eine Woche nach unserem Ostern gefeiert. Pessach und Ostern: zwei unterschiedliche Feste mit einigen Gemeinsamkeiten. Bei beiden Festen spielt das Motiv der Befreiung eine wichtige Rolle. Am Sederabend erinnern sich Jüdinnen und Juden an die Befreiung ihres Volkes aus der ägyptischen Sklaverei und freuen sich darüber und danken Gott. Am Karfreitag und zu Ostern, die beide untrennbar miteinander verbunden sind, ist der Mensch gewordene Gott aus dem jüdischen Volk aus grenzenloser und allumfassender Liebe bis ans Kreuz gegangen.

Damit hat er die Logik der Gewalt durchbrochen. Der gekreuzigte Christus zeigt einen anderen Weg auf als den, sich Sachzwängen und inhumanen Ordnungen zu unterwerfen, die immer wieder neue Opfer fordern. So stellt sich Gott selbst an die Seite der Gedemütigten und Leidenden dieser Welt. Am Ostermorgen entdecken die Frauen das leere Grab. Der Auferstandene hat die Fesseln des Todes abgestreift. Es ist derselbe gnädige und barmherzige Gott, der die Schreie des Volkes Israel gehört hat und Menschen zu allen Zeiten aus Unterdrückung und Gefangenschaft befreien will.

Musik:

Consortium Antiquum Antwerpen unter der Leitung von Jeanpierre Biesemans: „Ostern: Almande < Pesach >"
Label: Manus