Ich suche das Leben

Zum 27. Todestag von Antoine de Saint-Exupéry: Wir fühlten uns verloren im Raum zwischen den Welten, zwischen hundert unerreichbaren Planeten, auf der Suche nach dem einzigen wahren Stern, nach dem einen, der unsere vertrauten Gegenden beherbergt, freundliche Häuser und alles, woran unser Herz hing. Alle Reichtümer der Welt wohnten in einem Sandkorn, das zwischen den Gestirnen verloren schien.

Gedanken für den Tag 24.7.2019 zum Nachhören (bis 23.7.2020):

Mir tut nichts leid, als dass ihr nun traurig sein müsst. Genaugenommen habe ich es besser gehabt. In den Städten gibt es kein menschenwürdiges Dasein.

Manuel Rubey
ist Schauspieler. Er liest den Text von Antoine de Saint-Exupéry

Gespielt und verloren

Mir geht es nicht um die Sache der Fliegerei. Für mich ist das Flugzeug kein Zweck, es ist ein Mittel. Mein Leben schlage ich nicht für die Fliegerei in die Schanze, so wenig wie der Bauer für den Pflug arbeitet. Aber mit dem Flugzeug verlässt man die Städte und findet auf anderem Wege die bäuerliche Wahrheit wieder. Man lebt mit Winden, Sternen, Nacht und Sand, arbeitet als Mensch und sorgt sich als Mensch. Man misst sich mit den Kräften der Natur und wartet auf den neuen Tag wie der Gärtner aufs Frühjahr. Man ersehnt den Flughafen wie ein gelobtes Land und sucht seine Wahrheit in der Sternenwelt.

Ich bereue nichts, ich habe gespielt und verloren. Aber ich habe den Wind auf freier See atmen dürfen. Das vergisst niemand, dem es einmal vergönnt war. Wir suchten ja nicht die Gefahr, das ist Wichtigtuerei, mit den Stierkämpfern habe ich nichts gemein. Nein, ich suche nicht die Gefahr; ich weiß, was ich suche: Ich suche das Leben.

Buchhinweis:

Antoine de Saint-Exupéry, „Wind, Sand und Sterne“, Karl Rauch Verlag

Link:

Manuel Rubey

Musik:

„Flying over Africa“ aus: OUT OF AFRICA / SOUNDTRACK von John Barry
Label: MCA 03310