Zuhören und doch loslassen

Unauffällig. So war der Befund der Deutschlehrerin und Klassenvorstands von Patrick. Soll man sich als Eltern freuen, dass keine Hiobsbotschaften von der Schule kommen, der Sohn nicht rauft, nicht knapp vorm Durchfallen ist oder disziplinär unmöglich?

Gedanken für den Tag 16.8.2019 zum Nachhören (bis 15.8.2020):

Unauffällig. Dieses „Urteil“ kann man auch in Frage stellen. Was heißt unauffällig? Hängt das nicht mehr von der Beobachterin, also der Lehrerin ab? Vielleicht ist das Kind sensibel, ist einfach stiller oder hat schlicht Angst vor der Lehrerin? Jeder Jugendliche, jeder Mensch hat seine je eigenen Talente, Qualitäten, Besonderheiten. Ich wünsche mir von allen Lehrerinnen und Lehrern, dass sie diese auch entdecken und würdigen.

Alfred Trendl
ist Präsident des Katholischen Familienverbandes

Wenn Gespräche kaum mehr möglich scheinen

Die Zeit des Heranwachsens von Kindern zu Jugendlichen und Erwachsenen ist eine besondere, aus Kindern werden Erwachsene, es braucht eine gute Begleitung durch die Eltern. Auch wenn es nicht so augenfällig wie bei einer Raupe ist, die zum Schmetterling wird, es passiert sehr viel mit den Kindern, bevor sie selbstständige Erwachsene werden. Sie wollen ausprobieren, herausfordern, entdecken noch mehr die eigene Geschlechtlichkeit und das andere Geschlecht, müssen sich für einen Beruf, eine Ausbildung entscheiden. Zu all dem brauchen sie viel Verständnis. Manchmal sind die Eltern überfordert von den Experimenten der Jugendlichen, vom spät, oder gar nicht nach Hause kommen, vom Nichtwissen, wo sie gerade „stecken“, vom Schulschwänzen, dem Verlust der Lehrstelle, Durchfallen in der Schule, oder dem ersten Rausch.

Wenn Gespräche mit dem Jugendlichen kaum mehr möglich scheinen: Warum sich nicht Unterstützung holen? Von guten Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die zuhören, den Eltern die Situation erklären, Mut zusprechen oder auch Handlungsvorschläge machen, was sie am eigenen Verhalten ändern können. Ich habe das gemacht und glaube, so das Vertrauensverhältnis zu einem meiner Kinder gerettet zu haben.

Wenn die Sorgen um den Sohn, die Tochter zu groß werden, kein Ausweg mehr offen scheint, konnte ich als gläubiger Christ auch Halt und Unterstützung im Gebet finden.

Der deutsche Therapeut und Erziehungsberater Jan Uwe Rogge empfiehlt Eltern von heranwachsenden Jugendlichen: Zuhören und Loslassen.

Musik:

Maître Gims: „Est-ce que tu m’aimes? (Pilule Bleue)“ von Maître Gims und Renaud Rebillaud
Label: Universal 5368817 (2 CD)