Alles hat seine Zeit

Eine Frau steht heute im Mittelpunkt der Morgengedanken. Nicht einmal ihr Name ist in der Bibel überliefert – obwohl sie etwas wirklich Unerhörtes tut. Und Jesus verteidigt sie auch noch!

Morgengedanken 11.4.2017 zum Nachhören:

Von manchen Menschen, die Jesus begegnen, ist nicht überliefert, was sie sagen, von manchen auch nicht der Name. Als Jesus und seine Jünger in Bethanien, ein paar Kilometer von Jerusalem entfernt bei Tisch waren, da kommt plötzlich eine Frau mit einem Fläschchen mit kostbarstem Öl und - ohne dies zu kommentieren - salbt sie das Haupt von Jesus.

Olivier Dantine
ist Superintendent der evangelisch-lutherischen Diözese Salzburg-Tirol

Salbung für das Begräbnis

Ich stelle mir vor, wie die Jünger verdutzt auf dieses seltsame Schauspiel schauen, und nach einer Schrecksekunde in große Empörung verfallen: Ein so teures Öl wird hier verschwendet, was hätte man mit dem Geld alles machen können, wenn man es verkauft hätte? Wie vielen Menschen hätte man helfen können?

Jesus aber, und das überrascht, verteidigt diese Frau. Sie ist offenbar die einzige, die versteht, was Jesus bevorsteht. Jesus erklärt es den Jüngern: Sie hat schon im Voraus seinen Körper für sein Begräbnis gesalbt. Gelegenheiten, Armen zu helfen, werden die Jünger noch genug haben. Zu diesem Zeitpunkt ist etwas anderes dran, und das hat diese Frau erkannt. Sie bereitet Jesus auf das vor, was ihm noch bevorsteht. Es ist ein Liebesdienst an den, der seine Liebe zu den Menschen auf ganz besondere Weise zeigen wird. Ein Liebesdienst, der deutlich macht, dass in der Karwoche nicht das Leid und die Gewalt im Vordergrund stehen, sondern die Liebe.