Filmzeit ist nicht Realzeit

Genau hinsehen oder den Dingen ihre Zeit lassen – in unserer schnelllebigen Zeit gelingt das oft nicht.

Morgengedanken 12.9.2020 zum Nachhören (bis 11.9.2021):

„Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.“

Rotraut Perner
ist evangelische Theologin und Psychotherapeutin

Geduld üben

Etwas zu prüfen, braucht Zeit und eine passende Methode. Beides fehlt oft. Das liegt daran, ob man aus einem „bildungsfernen“ Elternhaus stammt, sagen die einen. Nein, sagen andere, es liegt am Freundeskreis, was dort als „Wert“ gilt – Körperkraft etwa verdrängt dabei Bildung oder gar selbst Forschen.

Im Werbefernsehen läuft öfter ein Spot, in dem gezeigt wird, wie ein kleiner Bub – mit seufzenden Eltern: „Was soll aus dir nur werden?“ – zum Brillenoptiker heranwächst. So geht Werbung für Bildung! Sich dorthin entwickeln, wozu man im Keim angelegt ist – so wie im Samenkorn bereits die fertige Pflanze (ohne widrige Umstände konzipiert) enthalten ist.

Filmzeit ist nicht Realzeit: Sie vermittelt die Pseudowahrheit, dass man sich Reifezeit, Rückschläge, Neustarts, Ausdauer ersparen könnte. Egal ob händisch oder geistig. Lernen heißt immer Üben. Gottes Geist dazu heißt hier: Geduld.