Gut und Böse

Für nicht wenige gehört das zusammen: Frühstücken und Zeitung lesen. Freilich: Nicht immer ist das, was man da zu lesen bekommt, erfreulich.

Morgengedanken 11.9.2020 zum Nachhören (bis 10.9.2021):

„Aus einem Mund kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein, liebe Brüder. Lässt auch die Quelle aus einem Loch bitteres und süßes Wasser fließen?“ (Jak 3,10–11)

Rotraut Perner
ist evangelische Theologin und Psychotherapeutin

Goldene Mitte

Wir haben die Wahl zwischen Gut und Böse – das ist die Folge des Sündenfalls aus der Einheit in die zweigeteilte Welt. Wenn ich meine tägliche Lektüre dreier raschelnder Tageszeitungen und einer vierten online abarbeite, frage ich mich bei den meisten Formulierungen: Warum so böse?

Bei den täglich berichteten Übergriffen, nachdem ein Bertie Blockwart (auch weiblich!) jemand wegen fehlender Maske „abgemahnt“ hat, vermute ich, dass der Ton dabei eine Aufforderung zum Kampf war: Entweder folgen – sonst Strafe. Gleich vor Ort vollstreckt: weniger aus Angst vor Ansteckung als aus Wut wegen Ungehorsam. Vermutlich von den Eltern abgeschaut. Wenn man gestraft wird, lernt man nur strafen – aber nicht, wie es besser geht. Dazu braucht man den Weg in der „Goldenen Mitte“: das positive Ziel mit den vermeidbaren Negativfolgen in Balance bringen.