Einer, der mit uns geht

In vielen katholischen Gemeinden hat am Ostermontag ein Spaziergang der besonderen Art Tradition: der „Emmaus-Gang“.

Morgengedanken 2.4.2018 zum Nachhören:

Sie ist für mich eine der schönsten Erzählungen in der Bibel: Die Geschichte von den zwei Jüngern, die nach Emmaus unterwegs sind. Traurig sind sie und belastet. Sie sind verzweifelt. Das schreckliche Ende ihres Meisters liegt wie eine schwere Last auf ihrer Seele.

Jakob Bürgler
ist römisch-katholischer Priester und Bischofsvikar der Diözese Innsbruck

Schritt des Vertrauens

Und während sie unterwegs sind, gesellt sich ein Begleiter zu ihnen. Er hört zu. Er lässt sie erzählen. Und er versteht es, das, was die beiden erzählen, in ein neues, ein anderes Licht zu tauchen. Es verständlich zu machen. Ihm einen Sinn zu geben. Erst spät, am Ende des Tages, begreifen die beiden Jünger, dass dieser Unbekannte ihr Meister Jesus ist. Ja, sie haben etwas gespürt, etwas geahnt. Es hat sie nicht losgelassen. Aber sie waren nicht fähig, es zu verstehen. Sie waren zu sehr in sich selber gefangen. Mit dem beschäftigt, was ihr Leben bestimmt hat.

Die Geschichte dieser beiden Jünger spielt sich auch heute ab. Wir sind unterwegs. Wir sammeln Erfahrungen – bittere und traurige, Enttäuschungen und Angst. Wir hegen auch die leise Hoffnung, dass alles gut wird. Und da ist einer, der mit uns geht. Der uns begleitet. Erst wenn wir zulassen, begleitet zu sein, werden wir erkennen, dass wir begleitet sind. Ohne diesen ersten Schritt des Vertrauens entdecken wir nichts. Wagen wir diesen Schritt!