Mann und Frau

Typisch Mann! Typisch Frau! Nicht selten ist das zu hören, und oft folgt darauf nichts Schmeichelhaftes.

Morgengedanken 8.8.2018 zum Nachhören:

Es fällt schwer zu glauben, dass eine Ungleichheit zwischen Mann und Frau der christlichen Lehre entsprechen kann. Denn inhaltlich wäre das Leben und Wirken Jesu Christi ohne Frauen nicht denkbar: Die Samariterin am Brunnen erkannte ihn als erste als den Gesandten Gottes; drei Frauen harrten bis zu seinem Tod unter dem Kreuz aus – und wiederum Frauen erfuhren als Erste von der Auferstehung ihres Messias, als sie sein leeres Grab vorfanden.

Aglaia Maria Poscher-Mika
ist Sängerin, Musiktherapeutin und Beauftragte der Diözese Feldkirch für den interreligiösen Dialog

Harmonischer Alltag

Besonders klar erklingt in einem Gesang von Hildegard von Bingen das visionäre Bild der Frau: „Daher liegt der höchste Segen vor allen anderen Geschöpfen auf der weiblichen Gestalt, denn durch sie ist Gott selbst Mensch geworden.“ Hier ist also die Rede von der Gottesmutter Maria – ihre Bereitschaft war essentiell dafür, dass Jesus, der ja nach christlichem Glauben Gott und Mensch ist, auf menschlichem Wege in diese Welt geboren werden konnte. Der stärkste Mann, der tapferste Held der Welt hätte diese Schlüsselrolle der Gottesgebärerin nicht übernehmen können.

Die westliche Gesellschaft schreibt sich gerne zu, Männer und Frauen gleichberechtigt zu behandeln. Doch am Weg zum Erfolg zählen oft Zielstrebigkeit, Effizienz und Verstand. Diese typisch männlichen Eigenschaften, welche ja auch Frauen besitzen und ausleben, sind im Beruf besonders willkommen. Doch vielleicht können wir unseren Alltag harmonischer und sogar heiliger machen, indem wir auch unsere Feinfühligkeit, Entschleunigung und Nähe bewusst einbringen.