Mut

Heuer begeht die Stadt Klagenfurt ihr 500-Jahr-Jubiläum. Für Andrea Nagele Grund, sich mit ihrer Heimatstadt etwas näher zu befassen. Und hinzuschauen auf kleine, fast vergessene Details.

Morgengedanken 3.10.2018 zum Nachhören:

Nicht nur wegen meiner Kinder und der Festival-Tage von Jazz und Klassik habe ich oft die schöne alte Stiftsanlage in Viktring besucht. Doch es war die Stiftskirche, die meine besondere Aufmerksamkeit weckte. Genau genommen ist es ein gekrönter gotischer Jünglingskopf an der Turmnordseite, der mich fasziniert.

Andrea Nagele
ist Psychotherapeutin und Krimiautorin in Klagenfurt

Löwen

Er stellt den jungen Grafen Heinrich von Sponheim dar, der sich Anfang des 12. Jahrhunderts nach Paris begeben hat, um an der Sorbonne zu studieren. Der gewandte Junge verliebte sich in die 16-jährige Königstochter Konstanze, die ihn zu ihrem Ritter bei einem Turnier erwählte. Stolz trug er ihre weiß-blau schimmernde Schärpe um seine Schultern. Zum Missfallen seiner Herausforderer gewann er den ersten Preis. Während der anschließenden Feierlichkeiten brach ein Brand aus ‒ nur Heinrich eilte zum Unglücksort und rettete eine Mutter mit ihren drei Kindern vor den Flammen. Er gab der Frau, die alles verloren hatte, seinen Siegespreis - eine goldene Kette. Als die Prinzessin ihm zum Dank ihre eigene Kette schenkte, bezichtigten die missgünstigen Ritter den jungen Grafen, der Königstochter Gewalt angetan zu haben. Daraufhin musste Heinrich waffenlos mit einem Löwen kämpfen, den er besiegte. Seine Unschuld war bewiesen, die glückliche Konstanze erwartete ihn. Heinrich entsagte jedoch der Welt für immer und trat in den Orden der Zisterzienser ein.

Der Jünglingskopf von Viktring erinnert mich immer wieder, sich den Löwen im Leben zu stellen.