„Das steinerne Herz wegnehmen“

Ein steinernes Herz führt zu Angst und wenn man sich öffnet, können auch Tränen fließen: Der Advent lädt dazu ein, das Herz zu öffnen.

Morgengedanken 5.12.2018 zum Nachhören:

Lieben bedeutet, das Herz weit machen und den, die oder das Andere in sich aufnehmen. Dort, wo dieses Andere gut zu unserem Lebensentwurf passt, ist das meist kein Problem – zumindest anfänglich – und auch keine Kunst; aber dort, wo dieses Andere wirklich ganz anders ist, wo sich die Geister scheiden, da liegt das Entwicklungspotenzial.

Rotraud Angelika Perner
ist evangelische Theologin und niederösterreichische Hochschulpfarrerin im Ehrenamt

Durch Mitgefühl erlöst

Das beginnt, wenn Kinder sich in der Pubertät von den Eltern ablösen – und wenn ihnen das verwehrt wird, holen sie es später bei ihren Lebenspartnern oder Vorgesetzten nach. Viele dieser Autoritäten fürchten Veränderung und Machtverlust – so wie Herodes der Große, als er die Kinder in Bethlehem ermorden ließ (Mt 2, 2 ff.). Man kann Menschen aber auch psychisch ermorden, wenn sie ihr Herz nicht an die steinernen Herzen anpassen sondern lebendig fühlen – das bedeutet auch, zu Mitgefühl stehen – wollen.

In vielen Märchen – den Psychologiebüchern aus der Zeit, als Durchschnittsmenschen noch nicht schreiben lernen durften – taucht oft das Motiv des versteinerten Prinzen auf, der nur durch die Tränen einer liebenden Frau – also durch Mitgefühl! – erlöst werden kann. Wenn das steinerne Herz wieder lebendig wird, erweitern sich nicht nur körperlich die Abgrenzungen, die einst aus einem Schock heraus zur Verengung – zur Angst – geführt haben. Wenn dann wieder Tränen fließen, sollten wir dies als Lebenszeichen wertschätzen.