Fasten für das Paradies

Gläubige Musliminnen und Muslime begehen derzeit den Fastenmonat Ramadan. Und von einer - für sie - beeindruckenden Begegnung mit einer Muslimin berichtet jetzt Schwester Maria-Andreas Weissbacher.

Morgengedanken 7.5.2019 zum Nachhören (bis 6.5.2020):

Seit Jahren schätze ich eine muslimische Frau aus Tschetschenien. Sie ist Witwe und kam mit drei minderjährigen Kindern nach Kärnten. Sie ist ein Musterbeispiel an Hilfsbereitschaft zu Menschen verschiedenster Kulturen. An ihren Arbeitsplätzen war sie eine geschätzte, verlässliche Mitarbeiterin.

Sr. Maria-Andreas Weissbacher
ist Leiterin des Referates für interreligiösen Dialog und Missionsschwester vom Kostbaren Blut im Kloster Wernberg in Kärnten

Geistliche Autorität

Von ihr höre ich nie ein negatives Urteil über Mitmenschen. Sie hat in ihrem Leben sehr viel Schweres erfahren, ist aber keineswegs verbittert. Auch missliche Umstände versucht sie zu verstehen und positiv zu bewältigen. Ihre Söhne hatten als Kinder im gesellschaftlichen Umfeld nur Gewalt erlebt und dabei auch den Vater verloren. Sie waren sehr gewaltbereit und bereiteten ihrer Mutter viele Sorgen. Ich merkte, dass diese Frau auch außerhalb des Ramadan viel fastete. Immer wieder erlebe ich, dass sie für viele Frauen aus ihrem Kulturkreis wie eine gütige, beinahe eine geistliche Autorität geschätzt und akzeptiert wird.

Ich fragte sie einmal, warum sie so viel bete und auch faste. Sie schaute mich groß an und meinte: Sr. Andreas, ich habe zwei Söhne, die sind nicht immer gut, ich möchte, dass sie einmal ins Paradies kommen - und auch ich selbst möchte dahin gelangen“. Es scheint nun, dass ihre Gebete erhört worden sind. Ihre Söhne haben sich zu guten und liebevollen Familienvätern entwickelt.