Kraft des Glaubens

Schwester Maria-Andreas Weissbacher beschäftigt sich in dieser Woche mit der Kraft des Glaubens in unterschiedlichen Religionen. Sie hat einige Zeit einen jungen Buddhisten begleitet, dem es im Leben besonders um die Menschen und den Umgang mit ihnen geht.

Morgengedanken 8.5.2019 zum Nachhören (bis 7.5.2020):

Einige Monate lernte ich mit einem jungen Mann aus dem Tibet deutsch. Er war sehr intelligent, äußerst fleißig und zielstrebig. Zu Hause hatte er fünf Jahre lang eine Mönchsschule besucht. Weil in Tibet die praktische Ausübung des Buddhismus sehr erschwert ist, nahm er den für ihn sehr schmerzlichen Abschied von seiner Familie auf sich. Er kann keinen Kontakt mit der Familie pflegen.

Sr. Maria-Andreas Weissbacher
ist Leiterin des Referates für interreligiösen Dialog und Missionsschwester vom Kostbaren Blut im Kloster Wernberg in Kärnten

Respekt und Wertschätzung

Im Asylantenheim übte sein liebenswürdiges Wesen eine äußerst positive Wirkung aus. Er wurde als hilfsbereiter Friedenstifter in diesem schwierigen Umfeld erlebt. In Österreich will er die Ausbildung zum Altenpfleger absolvieren, um Menschen helfen zu können. Voll Überzeugung habe ich ihm vermittelt, dass ich mich von ihm auch sofort pflegen lassen würde. Beim Besuch in einer Schulklasse erklärte er jugendlichen Flüchtlingen aus vielen Ländern: “Buddha sagt, wir sollen allen Lebewesen und besonders allen Menschen Respekt und Wertschätzung entgegenbringen und dementsprechend handeln.“

Dieser junge Tibeter lebt sehr glaubwürdig nach diesen Vorgaben. Alle, die ihn kennen, haben sich mit ihm gefreut über den positiven Asylbescheid, aber alle waren wir traurig darüber, dass er nach Wien gezogen ist. Er fühlt sich in der buddhistischen Gemeinde geborgen und erfährt dort auch mehr Unterstützung für seinen spirituellen Weg.