Muße schenkt Freiheit

Montag - die Arbeitswoche beginnt wieder? Oder haben Sie vielleicht heute frei? Und wenn ja - was steht auf dem Programm? Tätigkeiten zu Hause? Ein Ausflug? Ein Besuch? Oder darf es auch einmal NICHTS sein?

Morgengedanken 26.8.2019 zum Nachhören (bis 25.8.2020):

„Die Muße ist die Schwester der Freiheit“, sagt Sokrates im 5. Jh. v. Chr. In der griechischen Polis meint Muße eine von Arbeit und Sorgen freie Lebenssituation. Für Aristoteles schafft Muße die Bedingung, das letzte Glück zu erreichen. Ich übersetze für mich Muße nicht mit „nichts arbeiten“, auch nicht mit „Freizeit“ oder „Urlaub“ im Sinne von „sich erholen“. Für mich beschreibt Goethe sehr gut, was Muße bedeutet: „Ich beobachte mit intensivem Anteil; was ich erfahre, was mir entgegen kommt, das fasse ich auf, erfreue mich daran und werde davon produktiv angeregt“.

Dietmar Stipsits
ist römisch-katholischer Pfarrer im Seelsorgeraum Bad Tatzmannsdorf, Bernstein und Mariasdorf

Was bereitet mir Freude?

Muße heißt für mich: meinen eigenen Interessen, Sehnsüchten und Begabungen nachspüren und ihnen Raum geben und mich von ihnen schöpferisch motivieren und bereichern lassen. Mein Leben wird plötzlich geschmackvoll und interessant, ja sinnerfüllt.

Wo ist es in meinem Alltag notwendig, dass ich mit ganz wachen Sinnen hinschaue, hinhöre, beobachte? Was bereitet mir Freude? Welche sind die Quellen in meinem Leben, die mich produktiv anregen? Heute horche ich mal ganz bewusst in mein Innerstes hinein und schenke meinen Sehnsüchten weiten Raum! So erfahre ich, dass Muße mich zur Freiheit führt.